Neue Partnerschaften, ungeahnte Formen der Kooperation – immer wieder wird von Experten prognostiziert, dass die akuten Veränderungen in unserer Branche zu neuen Bündnissen führen werden, die auch über bislang bestehende Denkmuster und Grenzen hinaus gehen. Nun wurde ein solches neues Bündnis verkündet. Nachdem monatelang Gerüchte in der Branche kursierten, bestätigte Esprit nun eine vertraglich besiegelte Partnerschaft, genauer gesagt, eine Lizenzvereinbarung mit dem Essener Filialisten Deichmann.
Ab Frühjahr/Sommer 2020 wird der Schuhhändler eine eigene Schuhkollektion der Marke Esprit in seine Läden und seinen Onlineshop bringen. Ab Herbst/Winter 2020/21 will Esprit dann seinen Händlern eine von Deichmann entwickelte Kollektion zur Verfügung stellen. Beide Linien sollen unterschiedlich gestaltet sein, jedoch erkennbar zur Marke gehören. Sie sollen aktuelle Trends aufgreifen und ein optimales Preis-/Leistungsverhältnis bieten.
Die Kooperation zwischen Esprit und Deichmann ergibt aus Sicht der Protagonisten durchaus Sinn. Deichmann „sammelt“ eine weitere Marke unter seinem Dach. Esprit hat zwar in den letzten Jahren ordentlich Federn gelassen, verfügt aber immer noch über eine nicht unerhebliche Strahlkraft. Und wird sich einreihen in ein inzwischen beeindruckendes Portfolio an weiteren Marken. Esprit wiederum hat nun einen Partner an der Seite, der zweifellos über viel Know-how im Bereich Sourcing, Entwicklung und Produktion im Schuhbereich versteht. Der den künftigen Schuhkollektionen einen ordentlichen Schub verpassen kann. Und der ein gewisses – dringend benötigtes – Volumen bündeln wird. Davon abgesehen, dass sich das Ratinger Unternehmen seit Jahren in der Krise befindet, zahlreiche Standorte schließen und Mitarbeiter entlassen musste, hat auch die Schuhkollektion zuletzt erheblich verloren. Im ANWR-Ranking der besten 50 Lieferanten belegte die Marke 2018 noch Rang 42. 2019 tauchte sie in dieser Liste gar nicht mehr auf. Das Volumen an Esprit-Schuhen im Markt sank rapide; um nicht zu sagen, im freien Fall.
In Ratingen betont man, wie wichtig der Fachhandel als Kunde sei. Man unterstreicht, dass es zwei Kollektionen geben werde und dass man ein Szenario für unwahrscheinlich halte, in dem Schuhhändler von einer weiteren Zusammenarbeit absehen, weil nun Deichmann mit im Boot ist. Der Handel hat bei ähnlichen Konstellationen – Stichwort Elefanten – schon öfter mit den Füßen abgestimmt. Auch jetzt gibt es bereits Stimmen der reflexartigen Ablehnung à la „nicht mehr kaufbar“. Ob Esprit im Fachhandel nun wieder die Kurve kriegt? Fraglich.