Nach Belgien und der Schweiz betrifft es nun die gesamte europäische Gruppe: Die Esprit Europe GmbH stellt gemeinsam mit sechs deutschen Gruppengesellschaften einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Der Antrag wird im Amtsgericht Düsseldorf eingereicht, der Modekonzern beruft sich dabei auf § 270 der Insolvenzordnung. Zur Umsetzung wurde die Münchner Kanzlei Gerloff Lieber Rechtsanwälte berufen. Die Kanzlei besitzt über umfangreiche Erfahrungen bei Restrukturierungen in der Mode- und Handelsbranche, heißt es vom Unternehmen. Für das Verfahren wurden Dr. Christian Gerloff und Christian Stoffler zu Geschäftsführern bestellt, Benedikt Gatt fungiert derweil als Generalvollbemächtigter. Die derzeitige Geschäftsführerin Man Yi Yip scheidet im Verlauf des Verfahrens aus.
Esprit kündet gleichzeitig an, bereits erste Gespräche mit potentiellen Investoren geführt zu haben. Diese befänden sich nun im fortgeschrittenen Stadium und beinhalteten den Erwerb der Markenrechte für Europa.
Wie das Unternehmen bekannt gibt, sei es das Ziel, das „maßgeblich aus Deutschland geführte europäische Geschäft von Esprit zu restrukturieren und zukunftsfähig neu aufzustellen.“ Dazu würden zeitnah Optionen für tragfähige Zukunftslösungen ausgelotet, heißt es weiter.
Rechtsanwalt Dr. Christian Gerloff kommentiert das Verfahren: „ESPRIT ist eine weltweit bekannte Marke für Mainstream-Mode, die aber seit geraumer Zeit unter sinkenden Umsätzen, verbunden mit zahlreichen Umstrukturierungen und Managementwechseln, leidet. Die Eigenverwaltungsverfahren sollen die Chance eröffnen, die europäischen Aktivitäten von ihrer Struktur und vom Produkt her so aufzustellen, dass sie nachhaltig profitabel werden können.“
1.500 Beschäftigte betroffen
Der Geschäftsbetrieb soll laut Esprit bis auf Weiteres fortgeführt werden. Rund 1.500 Beschäftigte sind von der Bekanntmachung betroffen und wurden laut dem Unternehmen bereits informiert. Welche Auswirkungen das Eigenverwaltungsverfahren auf weitere Gruppengesellschaften im Ausland haben wird, kommentiert das Unternehmen noch nicht. Sowohl die Geschäftsstellen in der Schweiz sowie in Belgien haben in den vergangenen Monaten bereits Insolvenz angemeldet. In Deutschland beendete bereits der Franchise Partner PTH Group die Zusammenarbeit mit dem Konzern.
Esprit Europe GmbH mit Sitz in Ratingen ist die Obergesellschaft für die Esprit in den Ländern Deutschland, Frankreich, Österreich, Belgien, Polen, UK und die skandinavischen Länder. Sie ist Sitz der Verwaltung und fungiert vor allem im Management- und Kontrollbereich. Der gesamte Esprit-Konzern ist in rund 40 Ländern aktiv und hat seine Hauptzentralen in Ratingen und Hong Kong. Seit 1968 ist das Unternehmen dort auch an der Börse gelistet.