Es war sicherlich keine leichte Aufgabe für Stefan Blöchinger, kurzfristig den Gabor-Chefposten vom sich aus gesundheitlichen Gründen zurückziehenden Achim Gabor zu übernehmen. Er war erst seit rund einem Jahr im Unternehmen, als er im Sommer 2023 die Position des CEO antrat. Und beim Interview, das er für diese Ausgabe mit schuhkurier führte, ist spürbar, dass er sich in seiner neuen Rolle erst einfinden musste.
Ein erfolgreiches Familienunternehmen ist wie ein Monolith mit vielen Eigenheiten. Sie sind der Grund dafür, dass ein Unternehmen über viele Jahrzehnte bei unterschiedlichen Rahmenbedingungen Resilienz zeigen und alle Herausforderungen meistern kann. Ein neuer Chef, der auch noch mehr oder weniger von außen kommt, kann nicht einfach alles umschmeißen, was historisch gewachsen ist und sich als richtig erwiesen hat. Trotzdem spricht Blöchinger schon vieles an, was er in der kurzen Zeit an der Unternehmenskultur verändern will. Es will in das Wohlbefinden der Mitarbeitenden investieren und flexible Arbeitszeiten etablieren. Dinge, mit denen andere Unternehmen schon früher angefangen haben. Auf der anderen Seite fordert er von seinen Mitarbeitenden auch, dass sie sich die Zeit nehmen, um sich weiterzubilden und ihre Arbeitsweisen zu hinterfragen. Angefangen hat er dabei mit dem „digitalen Führerschein“, der bereits gut angenommen worden sei.
Der Blick von außen hilft, die festgefahrenen Strukturen an den Stellen zu hinterfragen, wo sich die Unternehmenskultur verbessern lässt. Es ist eine Herausforderung für alle Beteiligten, den Übergang von einem, wie Blöchinger sagt „so lange eigentümergeführten Familienunter- nehmen zu einem fremdgeführten Familienunternehmen“ gut hinzubekommen. Es braucht die Offenheit für Neues auf der einen Seite und den Respekt vor den Gewohnheiten auf der anderen Seite. Jedoch kann daraus etwas entstehen, was die funktionierenden Strukturen und neue Ideen verbindet. Man kann den Verantwortlichen dabei nur Glück wünschen.