Seit Februar hält Helen Thompson die Zügel für das EMEA-Geschäft von Toms in der Hand. Ein Schuhlabel, das „noch viel vor hat“ wie sie sagt. Was das genau heißt? Darüber sprach Helen Thompson mit schuhkurier.
06.05.2016
Kristina Schulze
3 Minuten
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Sie haben erst vor Kurzem bei Toms angefangen. Wie kam es zu dem Jobwechsel und welche Erwartungen haben Sie an Ihre neue Position? Ich habe zwölf Jahre lang für Clarks gearbeitet – zuletzt als Europa-Managerin. Ich war mit dieser Position sehr zufrieden, weil sie so viele verschiedene Bereiche umfasste – Whole-sale, Handel, E-Commerce. Diese Vielschichtigkeit liegt mir sehr. Allerdings lag der komplette UK-Markt nicht in meiner Hand, da Clarks eine britische Marke ist. Speziell mein ’Heimat-Markt‘ hat mich aber immer sehr gereizt. Deshalb wechselte ich zu Ecco, als mir dort ebenfalls eine Stelle als Europa-Managerin angeboten wurde – diesmal inklusive des UK-Bereichs. Das war für mich sehr spannend und definitiv eine Bereicherung für meine Karriere. Allerdings gab es intern einige strukturelle Veränderungen, die dazu führten, dass ich über einen erneuten Jobwechsel nachdachte und schließlich die Stelle bei Toms annahm. Toms hat mich in vielerlei Hinsicht sehr interessiert. Zum Beispiel ist die Marke so viel kleiner als Clarks oder Ecco, allein das ist für mich völlig neu. Wichtig war mir auch, weiterhin mit dem Multichannel-Ansatz arbeiten zu können. Damit kenne ich mich aus, das macht mir Spaß. Und das ist auch genau das, was Toms im Moment braucht. Die Position war deshalb für mich so attraktiv, weil ich hier meine langjährige Erfahrung und Expertise in einen völlig neuen Zusammenhang bringen kann. Denn Toms ist nicht einfach nur ein Schuhlabel, sondern hat eine Mission. Für mich ist es außerdem sehr spannend, zum ersten Mal für ein US-amerikanisches Schuhunternehmen arbeiten zu können – noch dazu mit einem sehr jungen Team. Schließlich ist Toms gerade einmal zehn Jahre alt und hat noch sehr viel Potenzial. Und es ist recht spannend, meine bisherigen Arbeitgeber nun aus der Mitbewerber-Perspektive zu sehen. Welche konkreten Ziele haben Sie mit Toms? Das kommt natürlich sehr auf den Zeitrahmen an. Mein kurzfristiges Ziel ist – und damit spreche ich von den nächsten zwei bis drei Jahren – den Status Quo zu stärken und das Markenprofil weiter zu schärfen. Wir sind schon sehr gut in dem, was wir tun, aber da ist definitiv noch Luft nach oben. Unsere Kollektionen sind bereits sehr gut darin, die Toms-Botschaft zu transportieren, aber die Produkte selbst könnten noch ausgereifter sein. Der typische Toms-Look ist sehr von der US-Westküste geprägt, sehr kalifornisch. Mit Blick auf den durchschnittlichen kommerzielleren Konsumenten, könnte ich mir gut vorstellen, zukünftig auch etwas klassischere Schuhmodelle anzubieten. Speziell für Deutschland und UK sind außerdem technische Features wie Wasserundurchlässigkeit interessant. Ohnehin haben wir noch kein richtiges Konzept für unsere Winter-Kollektionen. Wenn Toms aber das ganze Jahr über für den deutschen Konsumenten interessant sein will, müssen zwangsläufig neue Kollektionen für die kälteren Tage entwickelt werden. Als langfristigeres Ziel steht bei uns natürlich Wachstum ganz oben auf dem Zettel, insbesondere in Kernmärkten wie Großbritannien oder Deutschland. Wenn wir das geschafft haben, können wir auch noch einmal über neue Produktkategorien nachdenken. Ich weiß, dass Blake MyCoskie (der Toms-Gründer, Anm. der Redaktion) noch hunderte Ideen hat. Es ist eher schwierig, ihn zu bremsen. Wird Toms auch erste Stores in Deutschland eröffnen? Ja, definitiv. Wenn wir weiter an unserem Markenkern gearbeitet haben, werden wir uns die wichtigsten Städte in Deutschland genauer anschauen – Berlin, Köln, Hamburg, Düsseldorf, München wären gute Optionen für uns. Aber da sprechen wir von einem Zeitraum von etwa vier bis fünf Jahren. Ich glaube sehr an die Kraft unserer Stores. Schauen Sie sich unsere Filiale in London an: Dort wird unser gesamtes Konzept lebendig, schließlich stehen dort nicht nur Schuhe im Regal, sondern so viel mehr. Unsere Kunden können in die Giving-Stories eintauchen, Kaffee trinken, sich entspannen. In Bezug auf Deutschland ist für uns aber auch die Zusammenarbeit mit starken Handelspartnern sehr wichtig. Auch da gibt es einige, die in der Lage sind, unsere Geschichte zu erzählen und Toms perfekt in ihr bestehendes Sortiment einzugliedern. Daneben kann ich mir aber auch Franchise-Konzepte vorstellen. Nicht zu vergessen ist aber auch unser E-Commerce-Business, in dem wir jetzt schon sehr stark sind.
Das vollständige Interview mit Helen Thompson lesen Sie inschuhkurier Ausgabe 18/2016.