Angesichts der drohenden farblichen Tristesse in den Sortimenten – Stichwort: Schwarz – sorgen sich viele Händler um die Attraktivität ihrer Schaufenster in der kommenden Saison. Abhilfe ist in Sicht: Viele neue Herrenschuhe haben das Potenzial zum Eyecatcher. Die Kollektionen auf der GDS boten zwar keine Revolution, aber eine Weiterentwicklung bestehender, erfolgreicher Themen auf hohem Niveau.
Und dennoch gehört das Herrenschuhsegment aktuell nicht zu den Lieblingen des Handels. Die mäßigen Abverkäufe in der vergangenen Saison drücken in vielen Unternehmen auf die Stimmung. In der Folge rückte auf der GDS bei so manchem Hersteller die Preisdiskussion wieder verstärkt in den Fokus. “Ich hatte gehofft, dass wir dieses Thema hinter uns gelassen haben”, erklärte Michael Weyergans von Camel Active.
Aber es gibt auch andere Stimmen aus dem Handel. So legt Max Schoenberg von Shoes Fifty-6 in Saarbrücken großen Wert darauf, erfolgreich im Herrenbereich zu arbeiten. “Wer sagt, Männer seien Modemuffel, liegt falsch. Das Gegenteil ist der Fall: Wir haben es verstärkt mit modisch interessierten Männern zu tun, die sehr viel Spaß an Schuhen haben”, so der Händler.
Ein Hersteller, der in den vergangenen Saisons gerne zum ‘Schmücken’ des Herrenschuhsortiments genutzt wurde, ist Floris van Bommel. “Auf vergangenen Messen kamen die Einkäufer und wollten die verrückten Schuhe sehen”, berichtet Export Manager Patrick Meijers. Diese Konzentration auf die ‘extremen’ Modelle sei zu Lasten der Abverkaufszahlen gegangen. Jetzt sei es jedoch gelungen, die Händler stärker für die kommerziellen Modelle zu begeistern – so dass nun auch die wichtigen Kennzahlen stimmen. Ganz neu ist im Übrigen der B2B-Webshop der niederländischen Marke, über den einige Modelle je nach Verfügbarkeit unkompliziert nachbestellt werden können.
Stiefel gaben auf der GDS klar den Ton an. Mindestens knöchelhoch mussten die Modelle sein, um den Einkäufern zu gefallen. Halbschuhe hatten es dagegen schwer, es auf die Orderblöcke zu schaffen. “Die Entwicklung verläuft rasant”, sagte Ulrich Becker-Steinberger, Produktmanager bei Lloyd. “Die Gewichtung von Halbschuhen und Stiefeln in unserer Kollektion und in den Sortimenten im Handel haben sich in den letzten zwei, drei Jahren umgekehrt.”
Die Bereitschaft der Marken, Neuheiten zu entwickeln bzw. Modetrends kommerziell umzusetzen, ist weiterhin hoch. Und dabei geben nicht nur die vermeintlich besonders innovativen Label den Ton an. Auch eine Traditionsmarke wie Heinrich Dinkelacker bietet nun bereits seit mehreren Saisons regelmäßig neue Materialien und Leisten für einen verjüngten Auftritt.
Auch die italienische Marke Aldo Bruè, traditionell eher im klassischen Business-Bereich zuhause, zeigte auf der GDS mutige Modelle mit markant-männlichen Formen und farbigen Sohlen. Allerdings weist Maurizio Vallese, verantwortlich für den Vertrieb in Deutschland, auf einen Widerspruch hin: “Erst ermutigen uns die Händler, etwas Neues zu machen. Nun haben wir genau das gemacht und jetzt heißt es häufig: Das seid nicht ihr…” Wasser auf die Mühlen von Max Schoenberg, der sagt: “Das Problem ist, dass Männer hierzulande kaum das richtige Angebot finden.” Zu viel Standard, zu wenige Highlights prägten die Sortimente.
Auf Haifischzähnen durch den Winter
Die Sneaker-Welle ist entweder noch gar nicht im Herrenschuhsegment angekommen oder bereits vorbei. Jedenfalls spielten die sportiven Modelle kaum eine Rolle in den Kollektionen. “Ich beobachten das bei unseren Auszubildenden”, sagte Ulrich Becker-Steinberger. “Früher haben alle Sneaker getragen, heute kommen die mit Desert Boots oder lässigen Stiefeln.” Wie in den Vorsaisons auch wurde vor allem mit den Sohlen-Designs gespielt. Neu sind hier Varianten im Haifischzahn-Look. Aber auch die Gestaltung der Schäfte bot Neues: Wichtig werden hier vor allem Materialkombinationen von Leder und Textilien wie Filz oder Tweed.