So gut besucht die Stände der Komfortschuh-Anbieter am ersten und zweiten Tag der GDS waren, so leer waren sie am dritten. Durchsagen, die sich auf die Streiks an den Flughäfen in Köln und Düsseldorf bezogen, ließen darauf schließen, dass eben diese Streiks Auslöser für das verfrühte Abreisen vieler Besucher waren
Dennoch zeigten sich die Vertreter vieler Hersteller nach drei Tagen Messe zufrieden. Geordert werde sowieso woanders, hieß es vielfach. “Wir wollen auch gar nicht, dass hier geschrieben wird”, so Ralph Wolter von Finn Comfort. Die SOC würden immer stärker, dort passe die Atmosphäre, um zu ordern. Eine Schreibmesse sei die GDS schon längst nicht mehr – zu stressig, zu laut. Hier gingen die Meinungen allerdings auseinander. Für viele ist der Düsseldorfer Termin zu spät, der größte Teil der Order sei zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen. Ihm sei es wichtig, auf der GDS die engen Kontakte zu den Lieferanten zu pflegen, sagte Matthias Rienaß, Abteilungsleiter Damen- und Herrenschuhe bei Dodenhof.
“Wir haben etwa 45% der Order abgedeckt. Auf die GDS kommen wir, um Neuheiten zu sehen. Und obwohl die Vertreter für die Order zu uns kommen, wäre eine terminliche Verlegung vor die Micam optimal”, erklärt Thomas Zumnorde vom gleichnamigen Schuhhaus in Münster.
Für Waldläufer ist die GDS dagegen eine reine Infomesse, terminlich zwar gut, geschrieben werde jedoch woanders, so Maritta Tangermann am Stand des deutschen Anbieters. Auch für René Meckelburg von El Naturalista ist der Termin gut gewählt: “Für uns ist die GDS nach wie vor eine Ordermesse, unsere bestehenden Kunden kommen wieder und wir gewinnen hier Neukunden.” Die Bedeutung der GDS als Ordermesse steht auch für Thomas Cölsch von Caprice, außer Zweifel.
Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit
Heiß diskutiert wurde auch das Thema Nachhaltigkeit. “Ich würde gerne Schuhe 100% ökologisch produzieren. Allerdings ließe einerseits die Qualität der Schuhe nach und andererseits würden die Preise zu sehr steigen”, sagt Orlando Santos von Softwaves. Auch Berkemann beschäftigt sich mit dem Thema. “Der Endverbraucher nimmt die Idee der Nachhaltigkeit wohlwollend zur Kenntnis, aber keiner ist bereit, auch mehr zu zahlen”, so Thomas Bauerfeind.
Viele Hersteller versuchen so weit wie möglich nachhaltig zu produzieren. Verstärkte Auflagen in Deutschland und eine Umstellung auf lösungsmittelfreie Klebstoffe sind laut Ralph Wolter für Finn Comfort gute Schritte in Richtung ökologisch verträglicher Produktion. Ganter produziere bereits weitgehend schadstofffrei und verwende beispielsweise Naturkork, so Stephan Yoon, Marketingleiter und Produktmanagement.
Für viele kam das Aus für Snipe überraschend. Und mancher erkannte darin eine Chance. El Naturalista bot bislang hauptsächlich Damenmodelle an. Jetzt wurden auch Sneaker und Desert Boots für Herren neu in das Sortiment aufgenommen. “So weh es mir tut, dass Snipe nicht mehr da ist, so gut ist es für die Herrenmodelle von El Naturalista”, sagt René Meckelburg.
Kein Widerspruch: Mode und Komfort
Um nicht nur beim Thema Nachhaltigkeit vorne dabei zu sein, werden die Kollektionen im Wellnessbereich modischer. Weibliche Schnitte, höhere Absätze und trendige Farben bestimmen die Bequemschuhe. Grün und Blau sind starke Farben, die sich auf Schnürern, Boots und Sneakern wiederfinden. Auch Violett, Rottöne und Senf werden verstärkt eingesetzt. “Für die Schaufenster sind farbige Modelle immer super. Die Kunden probieren ein rotes Modell an, überlegen, was sie dazu tragen können und fragen schließlich, ob es den Schuh auch in Schwarz gibt”, sagt Tony van Ark, Sales Manager bei Wolky. Auch Metallics und Camouflage-Muster sowie Strick werden aufgegriffen und auf stylischen Modellen wie Biker, Western und Chelsea Boots und Sneakern umgesetzt. Materialien wie Samt und Velours sind neben Antik-Materialien, leichten Sohlen und herausnehmbaren Fußbetten wichtige Bestandteile der Komfortschuhe.
Alles in allem wirkte das Angebot in Halle 6 sehr modisch. Trotz des Besucherrückgangs schloss auch Tony van Ark die Messe positiv ab: “Man muss auch mal zufrieden sein. Wir wissen doch, wie die Situation draußen ist.”