Die Marken Le Bag und Bax sind in Kürze Geschichte. Die Lederwaren-Verbundgruppe Goldkrone trennt sich im deutschsprachigen Raum von ihrem Eigenprogramm. Außerdem rückt die Bag&Order als Ersatz der früheren Hausmesse räumlich näher an die ILM heran. Im Gespräch mit LR begründen die Geschäftsführer Holger May und Hans Peter Stückler ihre Entscheidungen.
LR: Das Jahr 2014 war für den Lederwarenfachhandel nicht einfach. Wie lief es für die Goldkrone?
Hans Peter Stückler: Richtig gut. Die Goldkrone-Gruppe hat ihren ZR-Umsatz um etwa 8 Prozent auf 85 Mio. Euro gesteigert. Während wir in den Niederlanden pari liegen, wuchsen wir in Deutschland um 12 Prozent. Wir haben über 30 neue Lieferanten angebunden.
Holger May: Im Fachhandel gewannen wir 16 Partner neu dazu. Die Betreuung und Neuakquise von Partnern bleibt in den nächsten Jahren ein großes Thema, da wir als Gemeinschaft kontinuierlich wachsen wollen.
LR: Das Eigenmarken-Sortiment ist jedoch kein Argument mehr für die Mitgliedschaft in der Goldkrone. Warum geben Sie diesen Geschäftsbereich auf?
Stückler: Es ist eine strategische Entscheidung. Die Eigenmarken haben viele Ressourcen gebunden, die wir jetzt für andere Aufgaben nutzen können. Wir müssen uns konzentrieren, um noch professioneller zu werden.
May: Wir haben im Vorfeld viel mit den Händlern über diesen Schritt diskutiert. Nicht nur die größeren Mitglieder gaben uns das Feedback, dass die Einstellung der Eigenmarken für sie kein Drama sei. Derzeit läuft der Abverkauf der restlichen Ware. Bis Ende April ungefähr wird das Lager leer sein. Unsere niederländische Tochter Goldkrone Lecombi wird dagegen ihr Eigenprogramm weiterführen. Unsere Partner in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Belgien können diese Ware im Rahmen der ZR bestellen.
Stückler: An Eigenmarken scheiden sich ja die Geister. Bei den Händlern sind sie eher beliebt, bei den Lieferanten eher nicht. Unsere Industriepartner sind daher alle begeistert, wenn wir ihnen unsere neue Strategie vorstellen.
LR: Wie sieht diese aus?
Stückler: Wir intensiveren die Zusammenarbeit mit unseren Markenlieferanten. Das bezieht sich etwa auf das Warenangebot mit exklusiven Sondermodellen oder -farben für unsere Partner, die allerdings nicht mehr über unser Lager abgewickelt werden. Auch NOS-Programme sind ein Thema, das wir forcieren wollen. Generell soll auch während der Saison die Order zügig abgewickelt werden. Wir wollen schneller werden und verstärkt die modernen Medien über den Konzern nutzen.
LR: Müssen die Händler dafür technisch aufrüsten?
May: Nicht unbedingt. Es geht darum, schneller zu agieren als in der Vergangenheit. Wenn wir beispielsweise über Angebote der Lieferanten informieren, brauchen wir einfach eine schnelle und verbindliche Rückmeldung von den Partnern. Nur so können wir uns Sonderposten sichern, die dann nicht im Kauf- und Warenhaus landen.
LR: Was ist über die Ware hinaus geplant?
Stückler: Wir haben mit der Marke Satch bereits einige PoS-Aktionen veranstaltet. Diese sind auf riesiges Interesse gestoßen. Wir führen die Satch-Veranstaltungen daher auch dieses Jahr weiter. Fest stehen bisher außerdem eine Charity-Aktion mit Ergobag sowie eine Kooperation mit Samsonite.
May: Generell ist die Frequenz vor Ort ein Problem. Daher sind solche Events wichtig. Denn diejenigen Händler, die etwas machen, haben auch zu tun. Die Schere zwischen aktiven und nicht aktiven Händlern geht auseinander. Daneben bietet uns die ANWR Group als Muttergesellschaft eine Menge Möglichkeiten, die wir verstärkt für unsere Partner im Fachhandel nutzen werden, so z.B. in der Weiterbildung und bei der Finanzierung.
LR: Für die Goldkrone-Messe anlässlich der ILM gibt es ebenfalls ein neues Konzept.
Stückler: Wir ziehen vom Achat-Hotel in die neue EVO-Halle. Sie liegt fußläufig zur ILM und bietet einen familiären Charakter. Damit einher geht die Entscheidung, das Angebot auf der Bag&Order anzupassen. Die Frequenz war zu schwach. Es gehört zudem nicht zu unseren Aufgaben, parallel zur ILM eine Messe zu veranstalten.
LR: Konzentration auf das Wesentliche heißt es auch in diesem Bereich?
Stückler: Wir punkten auf unseren Messen mit Konditionen und Information. Daher werden wir unseren Besuchern ein Rahmenprogramm mit Fachvorträgen bieten. Und wie bei den früheren Hausmessen bieten wir drei bis vier spannenden Lieferanten die Möglichkeit zur Präsentation an. Und den Partnerabend am Tag vor der ILM wird es natürlich weiterhin geben.