Herr Althaus, Anfang Februar veröffentlichte die Ispo München eine Zusammenfassung Ihres Auftritts auf der Digitize Bühne. Sie wurden dort mit Blick auf die Zahlen der ANWR Group wie folgt zitiert: „Wir haben derzeit rund 10.000 Stores, in fünf Jahren gehe ich von 4.000 aus.“ Es gab daraufhin viel Unruhe in der Branche. Wurden Sie missverstanden?
Günter Althaus: Ja, zum Teil. Zum Einen habe ich im Konjunktiv gesprochen und damit das Bedrohungspotenzial aufgezeigt, was passiert, wenn wir nichts tun. Ich habe in München nicht gesagt, dass aufgrund der Digitalisierung 6.000 Geschäfte wegsterben. Sondern dass hier mehrere große und kleinere Entwicklungen zusammenkommen. Dazu gehört natürlich die Digitalisierung, aber eben auch die Flächenüberbesetzung, die wir in Deutschland haben. Ich habe von den Teilnehmern der Veranstaltung nahezu ausnahmslos positive Resonanz erhalten. Übrigens auch von vielen unserer Händler. Die sagen: Völlig unabhängig davon, ob die Zahl der 4.000 Stores nun präzise ist oder nicht – die Situation wurde richtig beschrieben und das, was ANWR/Sport2000 unternimmt, ist das richtige für die Händler.
Sprechen Sie von Stores oder von Unternehmen?
Günter Althaus: Wir sprechen hier ausschließlich von Stores. Gerade weil die Bereinigung nicht nur kleine Unternehmen betrifft, sondern auch bei großen Filialisten viele Standorte wegfallen. Wir stellen unsere Beratungsleistungen so um, dass wir den Blick nicht mehr auf das einzelne Unternehmen richten, sondern die einzelnen Stores in Summe das Unternehmen ergeben. Es ist uns wichtig, dass wir möglichst viel über den einzelnen Store wissen. Wir glauben, dass wir tatsächlich den einzelnen Store individuell optimieren müssen, damit wir stationäre Flächen erhalten können.
Es ist richtig und wichtig, dass der Vorstandsvorsitzende einer Genossenschaft Thesen – auch harte – für die Zukunft aufstellt. Gleichwohl erwarten Ihre Mitglieder von Ihnen kein ’Aburteilen‘, sondern konstruktive Unterstützung. Liegt hier ein Kommunikationsproblem vor?
Günter Althaus: Zunächst einmal urteile ich nicht ab. Das mache ich grundsätzlich nicht. Wir verfolgen an erster Stelle immer das Ziel, jeden einzelnen Händler und jede Filiale zu retten. Ich bin auch nach wie vor persönlich in eine ganze Reihe von Fällen eingebunden, bei denen ich mit den Unternehmern nach den richtigen Lösungen für die Zukunft suche und bei der Umsetzung helfe. Da gibt es kein leichtfertiges Aufgeben. Die meisten Prozesse, die zu finanziellen Schwierigkeiten führen, entwickeln sich über Jahre. Es geht nicht einer hin und sagt: Morgen ist Schluss.
Ich habe schon vor einigen Jahren angekündigt, dass wir diejenigen Händler, die die nächsten Schritte nicht gehen wollen oder gehen können, möglichst professionell bei ihrem Ausstieg begleiten. Das funktioniert auch sehr gut. Dass wir unseren Händlern in dieser letzten Phase dabei helfen, nicht noch weiteres Geld zu verlieren, spielt dabei eine wichtige Rolle. Allerdings redet niemand über diese erfolgreich abgewickelten Fälle. Auch wir selbstverständlich nicht.
Ein zweiter Punkt ist: Ja, wir müssen deutlich besser in der Kommunikation werden. Viele Themen kommen nicht richtig rüber.
Inwieweit werden Sie Ihre Kommunikation verbessern?
Günter Althaus: Wir bieten eine Vielzahl gezielter Ansätze, mit denen wir unsere Händler zukunftsfähig machen. Man kann also wirklich nicht sagen, dass wir sie alleine lassen. Wir merken aber, dass wir mehr erklären müssen. Dass auch ich direkter in die Kommunikation einsteigen muss. Und das bezieht sich nicht allein auf unser Leistungsspektrum, sondern auch auf mein Engagement in den Verbänden auf Bundesebene. Sicherlich haben wir auch eine Sprache mit Fachbegriffen entwickelt, die bei uns in den Zentralen Tagesgeschäft sind, vom Händler aber oft nicht verstanden werden. Wir müssen besser erläutern, welchen Nutzen unsere Tätigkeit unseren Mitgliedern bringt.
Das vollständige Interview lesen Sie in schuhkurier Ausgabe 09/2018.