Der Handelsverband Nord hat in Hamburg in der zweiten Verhandlungsrunde ein Angebot unterbreitet. Die Laufzeit des Tarifvertrages würde demnach bei 24 Monaten liegen. Im ersten Jahr gebe es nach sechs Nullmonaten am 1. November 2026 eine Erhöhung um 2 %, im zweiten Tarifjahr nach drei Nullmonaten am 1. August 2027 um 1,5 %. Sollte bis September 2027 keine Tarifeinigung erzielt werden können, könnte sich die Vertragslaufzeit bei Annahme des aktuellen Angebots auf 36 Monate verlängern.
Der Handelsverband sieht darin ein Angebot mit Augenmaß. „Wir befinden uns in der schwersten Wirtschaftskrise seit 20 Jahren, die Konsumflaute ist aufgrund der Kriege auf der Welt und der steigenden Arbeitslosenzahlen auf einem absoluten Tiefpunkt“, argumentiert Steven Haarke, Tarifgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland. Er sieht die Sozialpartner in der Verantwortung, einen Tarifabschluss zu erzielen, der wirtschaftlich verkraftbar ist und keine Kündigungswellen erzielt. „Das sollte auch ein zentrales Anliegen der Gewerkschaft Verdi sein. Das Angebot der Arbeitgeber in Hamburg gestern trägt große Wertschätzung und Anerkennung für die Beschäftigten in sich. Der Ball liegt jetzt dort im Spielfeld der Gewerkschaft.“
Die Gewerkschaft Verdi kritisiert das Angebot scharf. Das Angebot liege deutlich unterhalb der Inflation und in den unteren Entgeltgruppen unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns: Bei einer Entgelterhöhung um 2 % ab dem 1. November 2026 würde der Stundenlohn der ungelernten Verkäuferin 13,75 Euro betragen, während der Mindestlohn aktuell bei 13,90 Euro steht und zum 1. Januar 2027 auf 14,60 Euro erhöht wird. „Das ist kein Angebot, das ist eine Unverschämtheit. Berücksichtigt man die sechs Nullmonate, entspricht das, was die Arbeitgeber vorgelegt haben, im ersten Jahr faktisch nur einem Plus von 1 %. Die Inflation liegt derzeit bei 2,8 % – mit steigender Tendenz. Ein Abschluss unterhalb der Inflationsrate bedeutet real einen Verlust im Geldbeutel. Das ist völlig inakzeptabel“, erklärt Heike Lattekamp, stellvertretende Verdi-Landesbezirksleiterin und Verhandlungsführerin für den Handel. Verdi fordert eine tabellenwirksame Entgelterhöhung von 7 %, mindestens 225 Euro sowie die Anhebung der unteren Entgeltgruppen auf ein rentenfestes Mindesteinkommen von 14,90 Euro pro Stunde. Für Auszubildende fordert die Gewerkschaft eine Erhöhung um 150 Euro. Die Laufzeit soll 12 Monate betragen.
Die Tarifverhandlungen sollen am 2. Juni 2026 fortgesetzt werden.