“Die internationalen Verflechtungen der Schuh- und Lederwarenindustrie nehmen immer mehr zu”, erläuterte Manfred Junkert den Hintergrund der jüngsten Aktivitäten des HDS. Der Export spiele eine zunehmend wichtigere Rolle. Man sehe sich inzwischen keineswegs mehr als Verband der deutschen Schuh- und Lederwarenindustrie, sondern habe sich längst europäisch aufgestellt. So gehören u.a. die österreichischen Schuhanbieter Högl und Legero, der dänische Hersteller Ecco sowie Mephisto mit Sitz in Frankreich zum Kreis der Mitglieder.
Zunehmende Internationalität bedingt die Auseinandersetzung mit internationaler Gesetzgebung – “daher war es uns wichtig, uns mit einem starken Partner zusammenzutun”, so Junkert. Seit Sommer letzten Jahres werden die Interessen des HDS vom FESI-Hauptgeschäftsführer Alberto Bichi in Brüssel vertreten. Man verfolge dieselben Ziele, erklärt Junkert: Gemeinsam mit dem Sportartikelverband FESI (Federation of the European Sporting Goods Industry) hatte sich der HDS gegen die EU-Strafzölle auf Schuhe aus China und Vietnam eingesetzt – mit Erfolg.
Außerdem war man gemeinsam gegen die verpflichtende Ursprungskennzeichnung eingetreten – ein inzwischen gekippter Gesetzesentwurf der EU-Kommission, der nach Auffassung Ralph Riekers vor allem bürokratischen Aufwand und die Gefahr des Missbrauchs nach sich gezogen hätte.
“Hohe Schlagkraft”
“Lobbyarbeit braucht eine gewisse Größe”, so Manfred Junkert mit Blick auf die Kooperation mit FESI. Das sieht Michael Beheim vom gleichnamigen Taschenspezialisten ebenso: “Zugegebenermaßen sind die Schuhhersteller größer als die Lederwaren-Anbieter. Gemeinsam aber erzeugen sie eine hohe Schlagkraft für alle.”
Die enge Verzahnung von Schuh und Leder sei zudem offensichtlich. Die meisten Schuhhersteller böten inzwischen auch Taschenkollektionen an. “Es ergeben sich aus dieser Entwicklung Synergien, die man nutzen kann. Vor diesem Hintergrund ist der Zusammenschluss beider Verbände eine logische Konsequenz.”Für 2013 stehen weitere Maßnahmen an, u.a. die Rückforderungen der gezahlten Strafzölle, die beide Verbände für ihre Mitglieder nun anstreben wollen. Musterverfahren in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und Italien sind ein erster Schritt.
Auch die Produktkennzeichnung steht weiterhin auf der Agenda des HDS. “Das Thema beschäftigt die EU-Kommission, aber man spürt, dass deutlich vorsichtiger argumentiert wird und weniger Protektionismus-orientiert wie noch in jüngster Zeit”, so die Einschätzung Ralph Riekers.