Deichmann handelt in erster Linie mit Produkten aus asiatischer Produktion. Wie gestaltet sich die Beschaffung aktuell?
Als zum Jahresbeginn viele Fabriken in China geschlossen haben, waren wir im intensiven Austausch mit unseren Lieferanten, wie mit dieser Situation umzugehen ist. Wir haben hier ein sehr partner-
schaftliches und verantwortliches Krisenmanagement erlebt. Das hat uns beeindruckt. Hier haben alle Beteiligten großes Engagement und viel Flexibilität gezeigt. Die meisten unserer Lieferanten arbeiten inzwischen wieder fast auf normalem Niveau. Da es aktuell durch die Regierung noch Auflagen zur Sicherheit gibt, durch die die Betriebe nicht mit normaler Auslastung arbeiten können, kommt es in manchen Fällen zu Verschiebungen der Liefertermine. Die Beschaffung hat sich aber grundsätzlich weitestgehend normalisiert.
Auch Deichmann fehlen Wochen Verkaufszeit, die nur schwerlich wieder aufgefangen werden können – zumal, wie Sie im Interview mit dem Handelsblatt erwähnt haben, Ihr Online-Anteil noch sehr gering ist. Was passiert mit der Ware, die in dieser Saison nicht mehr verkauft wird? Und was bedeutet das für die Produktion der F/S 2021-Saison?
Noch ist die Saison nicht gelaufen. Schauen wir mal, was noch geht. Am Ende wird es sicher einen Mix geben aus Sale und der Einlagerung von zeitlosen Basissortimenten. Da helfen uns unsere eigenen Distributionszentren sehr. Wir müssen nicht um jeden Preis reduzieren. Gleichzeitig werden wir alles daran setzen, unseren Kunden in der nächsten Saison das modische und breit gefächerte Angebot zu machen, das sie von uns gewohnt sind.
Warum sind die Umsätze, die Deichmann online generiert, angesichts Ihrer Marktrelevanz vergleichsweise gering?
Das ist eine relative Aussage. Auch wenn wir ein Omnichannel-Anbieter sind, generieren wir den größten Umsatzanteil immer noch in unseren 1.200 Filialen. Das ist ein sehr starkes Standbein. Gleichzeitig wachsen unsere Onlineshops seit Jahren jedes Jahr zuverlässig deutlich zweistellig. In der Coronakrise haben wir hier auch noch mal einen deutlichen Zuwachs gesehen. Da unser stationärer Handel in den zurückliegenden Jahren auch immer noch weitergewachsen ist, dominiert er nach wie vor die absoluten Zahlen. Vor diesem Hintergrund ist klar: Wenn Sie fast alle Läden schließen müssen, können Sie das online trotz aller Erfolge natürlich nicht ansatzweise kompensieren.
Deichmann informiert gewöhnlich im März über das vergangene Geschäftsjahr. Diese Mitteilung ist im Zuge der Corona-Krise ausgefallen. Wie sind die vergangenen zwölf Monate für Ihr Unternehmen verlaufen?
Sie haben Recht. Wir hatten in der Krise alle Hände mit der Bewältigung der aktuellen Probleme zu tun. Da blieb für Rückblicke einfach keine Zeit. Fakt ist: Wir sind mit dem Jahr 2019 sehr zufrieden. Wir konnten mit unserem Angebot, vor allem der Erweiterung unseres Marken-Portfolios und gezielten Marketing-Aktionen, offenbar die Kunden aufs Neue überzeugen.
Manche Zukunftsforscher prognostizieren, dass es einen Rückgang des „Massenkonsums“ und die Hinwendung zu mehr nachhaltigen Produkten, die länger halten, geben wird. Glauben Sie das auch? Wenn ja – was bedeutet das für Ihr Unternehmen?
Die Prognosen sind bekannt. Wir investieren viel in Marktforschung, um zu verstehen, was unsere Kunden bewegt. Wir sehen auch, dass es den Kunden nicht um Masse geht, sondern um Qualität, Mode und Nachhaltigkeit. Das Thema wird für die Konsumenten immer wichtiger. Wir merken, dass diese Produktlinien immer stärker nachgefragt werden. Wir haben ja auch schon seit langem Artikel in unserem Sortiment, die solchen Trends Rechnung tragen. Unsere „Elefanten Green“-Modelle sind beispielsweise aus chromfrei gegerbtem Leder, wasserlöslichem Klebstoff und einer Sohle aus Naturkautschuk. Oder wir führen Schuhe der Marke „Love our Planet“, die zu 100% vegan sind. Wir beobachten aber nach wie vor eine hohe Sensibilität bezüglich der Preise bei unseren Kunden. Nachhaltigkeit wünscht man sich quasi als Dreingabe. Wir stellen aber vor allem im Online-Dialog mit den Kunden fest, dass dieses Thema an Bedeutung gewinnt. Und wir werden diesen Weg auch weiter verfolgen.