Herr Siemes, wie ist das Jahr 2018 für Ihr Unternehmen gelaufen?
Für die Schuh- und Textilbranche ganz allgemein waren die ersten drei Monate des Jahres die umsatzmäßig schlechtesten der letzten Jahrzehnte. Das haben auch wir gespürt. Wir haben das Minus recht gut aufgeholt; ob es aber für ein Plus reicht, das werden wir noch sehen. Es war ein herausforderndes Jahr – aber eigentlich birgt ja jedes Jahr seine ganz eigenen Herausforderungen.
Konkret gefragt: Wo sehen Sie für Ihr Unternehmen die größten Herausforderungen?
Was uns derzeit sehr stört, sind die 14 Factory Outlets, die über die gesamte Bundesrepublik verteilt sind. Wir befinden uns hier unweit von Roermond. Jedes Wochenende gibt es regelrechte Völkerwanderungen auf der Autobahn 52 in Richtung Niederlande. Busse fahren die Kunden aus den umliegenden Städten nach Roermond mit einem Einzugsgebiet von bis zu 70 Kilometern. Das FOC ist jeden Sonntag bis 20 Uhr geöffnet. Es gibt im FOC mindestens 30% auf die angebotene Ware, kurz vor Ladenschluss sind es sogar noch
deutlich mehr. Einige FOC befinden sich in unmittelbarer Nähe zu unseren Standorten. Das ist eine sehr problematische Entwicklung.
Welche weiteren Themen beschäftigen Sie?
Die Situation in den Innenstädten verändert sich derzeit dramatisch. Die Menschen kaufen deutlich mehr online. Das ist zum Teil auch nachvollziehbar. Wenn man in Düsseldorf eine Stunde parkt, zahlt man dafür bis zu 9 Euro in der Stunde, um dann in der kalten Jahreszeit im Regen von Geschäft zu Geschäft zu laufen. Warum sollte man das tun, wenn man zuhause bequem mit dem Tablet oder dem Handy einkaufen kann? Oder auch über TV-Kanäle wie QVC – darüber wird im Übrigen kaum gesprochen. Die Menschen gehen durchaus noch in die Stadt. Aber sie tun dies überwiegend, um sich inspirieren zu lassen. Oder um die Gastronomie zu nutzen.
Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?
Wir führen über 170 Filialen und beschäftigen mehr als 4.600 Mitarbeiter. Wir sehen angesichts der sehr schnellen Veränderungen im Markt, dass es Planungshorizonte von, wie früher üblich, fünf oder gar zehn Jahren nicht mehr gibt. Man muss als Händler kurzfristig reagieren können. Letztendlich wird der Kunde entscheiden, wie wir uns verändern müssen. Konkret werden wir weiter an unserer Omnichannel-Strategie arbeiten. Seit 2010 betreiben wir unseren Onlineshop und lernen immer noch jeden Tag Neues dazu.
Auch stationär schauen wir genauer hin: Manche Verträge für Standorte wurden vor zehn Jahren abgeschlossen. Oft hat sich eine Stadt in diesem Zeitraum verändert. Daher muss man die Situation überall beobachten. Es gibt Standorte, die sich zu Problemfällen entwickelt haben. Von diesen werden wir uns konsequent trennen – wie zuletzt in Düsseldorf. Das tut weh, aber es muss sein. Wir sind dann sehr bemüht, möglichst keine Entlassungen durchzuführen, sondern die Mitarbeiter in anderen Geschäften einzusetzen.
Planen Sie auch Neueröffnungen?
Ja, im nächsten Jahr werden wir voraussichtlich elf neue Standorte eröffnen, vier im Frühjahr, sieben im Herbst.
Werden Sie auch konzeptionell Veränderungen vornehmen, zum Beispiel durch die Aufnahme von Textilien ins Sortiment?
Das ist nicht vorgesehen. Da wir in den Sport Performance Bereichen wie Running, Outdoor und Fußball sehr gut aufgestellt sind, werden wir nur hier weiterhin Funktions-Textilien anbieten.
Wie oft werden die Standorte erneuert und modernisiert?
Wir investieren 30 Mio. im Jahr in Modernisierungen und Renovierungen unserer Filialen, somit gibt es bei uns keinen Investitionsstau.
Wieviel Prozent Ihres Umsatzes erwirtschaften Sie online?
Wichtiger als der Umsatzanteil ist mir, dass wir gut bewertet werden. 60 bis 70% der Zugriffe auf unsere Seiten erfolgen via Smartphone – Tendenz steigend. Diese Entwicklung muss man berücksichtigen und zusätzlich muss jeder, der sich mit dem Online Geschäft beschäftigt, die passende Logistik für seine Anforderungen finden.
Das vollständige Interview mit Heinz W. Siemes lesen Sie in schuhkurier Ausgabe 1/2019