Über 260 Marken aus mehr als 20 Ländern präsentierten sich vom 31. August bis 2. September auf der ILM in Offenbach. „In volatilen, herausfordernden Zeiten bieten wir der Branche einen verlässlichen Ort der Information und Inspiration. In Offenbach werden Geschäfte gemacht und die Weichen für die Zukunft gestellt. So fasste Messe-Geschäftsführer Arnd Hinrich Kappe die Bedeutung der ILM nach ihrer 160. Auflage zusammen. Auch die drei Tage Ende August/Anfang September bestätigten: Die ILM ist und bleibt der wichtigste Marktplatz der Lederwaren-, Accessoires- und Reisegepäckbranche.
Neben dem klassischen Lederwarenfachhandel besuchen laut Messe Offenbach immer mehr Schuh- und Textilhändler sowie Einkäufer namhafter Department- und Concept-Stores die Messe. Gleichwohl hinterlässt die Situation im Handel auch in den Statistiken der ILM selbstverständlich ihre Spuren. „Insgesamt hat sich die Besucherfrequenz reduziert“, berichtet Arnd Hinrich Kappe. Dafür sei Qualität der auf der ILM geschriebenen Orders auf „ein exzellentes Niveau“, gestiegen.
Das bestätigen auch diverse Aussteller. „Wir hatten durchgehend gut zu tun. Mir scheint, dass die Stimmung im Lederwarenhandel besser ist als bei den Textilern. Modisch sind bei uns Raffia und Nieten sowie farblich sehr viel Cognac, Orange und Rot gefragt“, berichtet Stefan Bruder vom Taschenspezialisten Abro.
„Wir schätzen die Möglichkeit, an drei Tagen alle wichtigen Marken und Produkte an einem Ort sehen und ordern zu können“, erklärt Filialist Andreas Trebuss, warum er die ILM besucht. Ralf Maurer von Leder Maurer in Böblingen ergänzt. „Wir haben uns ganz bewusst gesagt, dass wir einmal die Brille abnehmen wollen, mit der man doch öfters über die Messe läuft, um gezielt neue Lieferanten zu suchen und aufzunehmen. Dafür sind wir bereit, auch einmal fünf der üblichen Termine und To-Dos von der Liste zu streichen.“
Ralf Maurer ist sicher kein Einzelfall. Und dennoch sind es zu wohl wenige Händler, die bewusst ihre Routinen durchbrechen und nach neuen Lieferanten suchen. „Die Besucherfrequenz geht gar nicht“, bilanziert Andreas Schweneker, Managing Director von Stamps, frustriert am Montagmorgen. Zusammen mit seiner Tochter Marla Neuschaefer stellte er erstmals die Kollektion des Taschen- und Accessoires-Label, das Wert auf eine möglichst nachhaltige Produktion legt, auf der ILM vor. Trotz der geringen Resonanz stellt er die ILM in ihrer Bedeutung für die Branche nicht in Frage. Sie sei im Prinzip der richtige Ort für Stamps, denn: „Die wenigen Kunden, mit denen wir gesprochen haben, waren positiv überrascht.“ Daher stelle sich die Frage, wie sich die Frequenz erhöhen lasse. Schweneker hat dabei unter anderem Events vor Augen. Das gemeinsam mit Ausstellerkollegen in Halle A4 veranstaltete Frühstück am Messesonntag habe Besucher angelockt. „Vielleicht muss man die Menschen über den Bauch abholen.“
„Das Wichtigste auf der Messe ist das Entertainment. Die Kunden möchten sich wohlfühlen. Der Austausch zählt“, sagt denn auch Georg Picard vom gleichnamigen Unternehmen. „Für die Branche ist die ILM mehr als eine Orderplattform. Sie ist der unverzichtbare Marktplatz überhaupt. Im Fokus der Gespräche standen unter anderem die Themen Nachhaltigkeit, Marketing und Social Media.“
„Die ILM ist der ideale Ort, um gemeinsam mit unseren Kunden neue Konzepte zu entwickeln, um die teilweise verunsicherten Endverbraucher gezielt und erfolgreich anzusprechen“, bestätigt Dave de Boer von Fashion Solutions (Valentino, Guess, Mandarina Duck u.a.) stellvertretend für viele seine Ausstellerkollegen.
Vor diesem Hintergrund wünschen sich etliche Aussteller, dass vor allem der klassische Lederwarenhandel verstärkt die Messe besucht, auch wenn die Orderbudgets enger geschnürt werden als in den Vorsaisons