Am 9. Februar wird eine Ära enden. Die 123. GDS, die an diesem Tag ihre Tore schließen wird, ist die letzte ihrer Art. Vorbei ist damit die Zeit der großen Schuhmessen in Düsseldorf. Und wohl auch die Zeit der großen Schuhmessen in Deutschland.
Es endet im Februar auch ein zermürbender Erosionsprozess, in dem die Verantwortlichen der GDS zuletzt kein Rezept und wohl auch keine Kraft mehr hatten, die vielschichtigen Interessen, Wünsche und Ideen der Industrie zu einem sinnvollen Konzept zusammenzuführen. In einem beispiellosen Hin und Her aus Termindiskussionen, Willensbekundungen, Rückziehern und gegenseitigen Schuldzuweisungen wurde in den zurückliegenden Monaten manche Sau durchs Dorf getrieben. Ein Konsens, für den sich alle ein wenig hätten bewegen müssen, war so unmöglich.
Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht. Nur an die gemeinsame Sache nicht.
Dass es künftig auf dem deutschen Markt keine übergeordnete, inspirierende Plattform mehr für unsere Branche geben soll, ist angesichts der gravierenden Marktveränderungen nicht zu fassen.
Fragt man zehn Personen nach dem richtigen Ansatz einer Schuhmesse, erhält man mindestens zwölf verschiedene Antworten. Jeder bekundet dabei vollmundig, im Sinne der Sache zu argumentieren. Wobei die ’Sache‘ meist doch nur das ureigenste unternehmerische Interesse ist. Und eben nicht die gemeinsame Idee, von der alle profitieren können. Vielleicht sind es nicht mehr die Zeiten für große Schuhmessen in Deutschland. Vielleicht verlangt der Markt nach neuen Formaten. Das Angebot an Ordermöglichkeiten ist allerdings so groß, dass Händler fast täglich Schuhe schauen könnten – Überforderung inklusive. Hersteller, die der GDS schon vor längerer Zeit den Rücken kehrten, betonen, deshalb keinen einzigen Schuh weniger verkauft zu haben. Der Pragmatismus hat also tatsächlich gesiegt.
Es wäre zu einfach, jetzt zu behaupten, Schuld am Ende der GDS sei allein die Terminänderung ab Sommer 2014. Wer so argumentiert, ignoriert, dass vor der Umfunktionierung der Orderplattform in eine frühe Leitmesse bereits deutliche Abnutzungserscheinungen spürbar waren. Der Unmut war seinerzeit groß, der Ruf nach Veränderung laut. Ebenso die Absichtserklärungen von Unternehmen, ein neues Konzept voll zu unterstützen – um ebendiese kurz darauf mehr oder weniger nonchalant einfach unter den Tisch fallen zu lassen. Nun heißt das Gebot der Stunde jedoch: Vergangenheit war gestern. Es gilt, die Zukunft zu planen.
Was unter Regie der Igedo Company wahrscheinlich Ende August in Düsseldorf stattfinden wird, kann eine neue Bühne für den Schuh werden. Freilich keine GDS, wie wir sie kennen. Aber darin liegt auch eine Chance. Vielleicht kommt nach dem Ende ein neuer Anfang. Und allem Anfang wohnt bekanntlich ein Zauber inne.