Laut einer Analyse von Changing Markets, aus der der „Spiegel“ berichtet, sind es vor allem Preiswertanbieter, die den Kunststoffanteil in Bekleidung in die Höhe schnellen lassen. So liege der Anteil von Kunstfasern in der Textilfasermischung beim chinesischen Onlinehändler Shein bei 82%. Der Sportkleidungshersteller Lululemon hat in seinen Kollektionen einen Kunststoffanteil von 67%. Andere Unternehmen wie Aldi Süd (57%) und Primark (43%), Bonprix (42%) und Inditex (38%) kommen ebenfalls auf erhebliche, aber nicht so hohe Anteile, teilweise jedoch mit steigender Tendenz.
„Die großen Modemarken setzen auf das Fast-Fashion-Modell und überschwemmen den Markt mit umweltschädlichen Wegwerfstoffen“, sagt Urška Trunk von der Changing Markets Foundation in dem Bericht des „Spiegel“. „Wir müssen entschlossen handeln, um die Mode aus ihrer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu befreien.“ Die geringe Qualität, einhergehend mit einer schlechten Recyclingquote, mache die Modebranche zu einer der größten Quellen für Mikroplastik und Müll. Weniger als ein Prozent aller Textilabfälle würden weltweit zu neuer Kleidung recycelt, der weitaus größte Teil werde verbrannt, vergraben, in Deponien gelagert oder im Meer versenkt. Textilien belasten demnach die Weltmeere jährlich mit bis zu 500.000 Tonnen Mikroplastik. Die Mode selbst werde zu einem Risiko für die Umwelt und die menschliche Gesundheit, sagt der Meeresbiologe und Mikroplastikexperte Sedat Gündogdu von der Çurkorova-Universität in der Türkei.
Ermittelt wurden die Zahlen, die die Changing Markets Foundation vorgelegt hat, bereits zum dritten Mal seit 2021 mit einem Fragebogen, der an diverse Modemarken verschickt wurde. Von 50 im April angeschriebenen Unternehmen haben laut dem Bericht nur 23 geantwortet. Unternehmen wie Abercrombie & Fitch, Gap, Patagonia haben nach Angaben der Organisation kein Feedback gegeben.
Mehr als zwei Drittel aller Textilien werden laut Urška Trunk aus synthetischen Fasern gefertigt. Bis 2030 soll ihr Anteil auf 73% steigen.