Eigene stationäre Stores? „Auch dieses Thema sehen wir kritisch“, sagt Aichinger. Natürlich diskutiere die Geschäftsleitung solche Strategien und hinterfrage immer wieder, woran festgehalten werden sollte und was womöglich überarbeitet werden müsste. „Aber wer als Hersteller eigene Stores betreibt, muss diese Flächen das ganze Jahr über bespielen können.“ Auch vor dem Hintergrund der Strukturprobleme in vielen Innenstädten seien Monomarkenstores für Paul Green nicht der richtige Weg. Und nicht zuletzt entstünde so eine Überproduktion, die am Handel vorbei abfließen müsse. „Das wollen wir auf keinen Fall“, sagt Aichinger. Die Konsequenz, mit der Paul Green D2C für sich ausschließt, wird vom Handel goutiert. Auf der anderen Seite kann der Hersteller aufgrund seiner individuellen Prozesse spezielle Services wie NOS nur begrenzt anbieten. Auch die derzeit viel diskutierten Konzepte der Risikoverteilung kann – und will – das Unternehmen nicht umsetzen. „Die Art, wie wir aufgestellt sind, macht uns stark. Wir können aber nicht alle Erwartungen, die heute an Schuhhersteller gerichtet werden, erfüllen“, erklärt Barbara Aichinger. Das kann vor allem für Modehändler herausfordernd werden, die von ihren Lieferanten in der Textilindustrie solche Modelle der Zusammenarbeit gewohnt sind. Gleichwohl arbeitet der Damenschuhhersteller schon lange und erfolgreich mit Unternehmen wie Breuninger, Hagemeyer, Braun und Zinser zusammen – ab der H/W-Saison kommt auch Engelhorn dazu. „Händler kaufen Paul Green, weil die Marke spannend und begehrlich ist“, sagt Barbara Aichinger. Daran, dass das so bleibt, arbeite man in Mattsee mit viel Leidenschaft und Einsatz. Wer Paul Green ordere, bekomme hochwertige und modische Produkte, müsse aber auf einige der heute gängigen Services verzichten. „Das ist der Kompromiss, den wir mit dem Handel finden müssen“, erklärt die Geschäftsführerin.
Viel verspricht sich die Geschäftsführung in Mattsee nun vom Tenhaag-Launch. Mit zwei starken Marken im Portfolio sieht sie sich gut gerüstet. Der Handel wird dieser Tage postalisch mit umfangreichen Informationen zur neuen Marke versorgt. Und in den kommenden Wochen will Barbara Aichinger viele Termine in der Branche wahrnehmen, um für die neue Brand zu werben.