Die Großinsolvenzen von Unternehmen mit über 10 Mio. Euro Umsatz in der Modebranche (Hersteller und Händler) sowie im Einzelhandel sind 2024 nach einem Höchststand im Vorjahr wieder zurückgegangen. In der Modebranche gingen die Insolvenzen von 33 auf 19 zurück, im Einzelhandel von 30 auf 28. Die Zahlen wurden von der Unternehmensberatung Falkensteg zusammengestellt.
Der Rückgang sei kein Zeichen für eine Erholung, ordnet Sebastian Wilde, Partner bei Falkensteg, ein: „Den Verbrauchern fehlt derzeit das Vertrauen in die Zukunft und die Sorge um die Sicherheit des Arbeitsplatzes rückt in den Vordergrund. In der Folge sparen die Verbraucher und horten ihr Geld.“ Der Rückgang der Modeinsolvenzen stelle deshalb keine Entspannung der Situation dar. So erreichten die Umsätze in den Wintermonaten gerade einmal das Vorjahresniveau. Zusätzlich müssten die Händler die Mehrkosten, etwa für Personal, Energie und Mieten, kompensieren. „Die Turbulenzen werden also auch 2025 anhalten und Umsatzzuwächse, wenn überhaupt, nur gering ausfallen.“
Das Insolvenzgeschehen im Einzelhandel zeigt eine Zweiteilung zwischen den Bereichen Fast Moving Consumer Goods (FMCG) und Investitionsgütern wie Mode, Möbel oder Elektrotechnik. Während die Insolvenzen im FMCG-Bereich vor allem durch den Rückgang im Lebensmittelbereich sanken, stagnieren die Pleiten im Investitionsgüterbereich auf sehr hohem Niveau. Für 2025 werden die Insolvenzen im Modebereich und im Einzelhandel wieder leicht im einstelligen Bereich steigen, prognostiziert Wilde. Die Verunsicherung der Verbraucher und die Konsumverweigerung würden noch ein paar Monate anhalten. Auch konjunkturelle Impulse aus der Politik könnten nach der Bundestagswahl frühestens Ende des Jahres greifen: „Zudem besteht in der derzeitigen Stagnation die Gefahr, dass Unternehmen, die frisch aus einem Sanierungsverfahren kommen, schnell wieder in Schieflage geraten. Denn sie starten aus einer schlechten Position, vor allem bei der Finanzierung neuer Waren.“