Der Schuhhandel als Investitionsobjekt? Auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Wahl. Dr. Wendelin Wiedeking sieht dies offenbar anders. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Porsche hat Millionen in Shoepassion investiert. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren von einem reinen Onliner zu einem veritablen Omnichannel-Anbieter entwickelt.
Für Aufsehen sorgte Shoepassion bereits Ende des vergangenen Jahres: Im Dezember fusionierte das Berliner Start-up mit der Traditionsmarke Heinrich Dinkelacker. Als Teil des Deals rückten die bisherigen Dinkelacker- Bosse in den Gesellschafterkreis von Shoepassion auf. Nun, ein halbes Jahr später, baut Dr. Wiedeking sein Engagement deutlich aus und steckt einen hohen einstelligen Millionenbetrag in Shoepassion. „Die Zusammenstellung des Teams inklusive der errichteten Infrastruktur auf der einen Seite sowie die hervorragende Arbeit der Geschäftsführung nebst überzeugender Zukunftsvision auf der anderen haben mich überzeugt, meine Beteiligung bei Shoepassion zu erhöhen“, so der ehemalige Top-Manager.
Ein ähnliches Beispiel findet sich in Belgien. Hier hat der Selfmade-Man Alain Smets vor kurzem rund sieben Mio. Euro in ein innovatives Schuhhandelskonzept gesteckt. Auch wenn der finanzielle Hintergrund der beiden Herren als gesichert gelten dürfte, ist davon auszugehen, dass sie nicht blauäugig handeln. Es gibt schließlich viele Branche und Investitionsmöglichkeiten. Auch Wiedeking und Smets werden ihr Geld nicht zum Fenster hinauswerfen. Vielmehr scheinen beide Chancen im Schuhbusiness zu sehen. Dieser optimistische Blickwinkel scheint in der etablierten Schuhbranche dagegen immer mehr verloren zu gehen. Schon traditionell neigen weder Handel noch Industrie zu überschäumender Euphorie. Das Klagen gehört quasi zur DNA der Branche – und hat in den vergangenen Monaten weiter an Intensität gewonnen. Im Vordergrund steht das, was nicht funktioniert. Angesichts der aktuellen Umsatzentwicklung ist diese negative Grundstimmung nachvollziehbar. Die Branche wird vom Strukturwandel schwer gebeutelt. Umso wichtiger könnte eine Beschäftigung mit der Motivation von Menschen wie Dr. Wendelin Wiedeking oder Alain Smets sein. Von außen kommend und ohne den Ballast der vergangenen Saisons sehen sie das Schuhbusiness als Wachstumsfeld. Trotz allem. Selbstverständlich sind Wiedeking und Smets allein aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten Ausnahmeerscheinungen und vom durchschnittlichen Unternehmer weit entfernt. Dennoch mag ihr Beispiel dabei helfen, den Blick wieder ein wenig mehr zu heben und nach vorne zu blicken: Auf die Potenziale, die in jedem Unternehmen stecken, klein und groß – und die auch ohne Investitionen in Millionenhöhe gehoben werden können.