Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat sich in einer Studie im Auftrag der Unternehmensinitiative Vielfalt ist Zukunft mit den ökonomischen Folgen des AfD-Wahlprogramms auseinandergesetzt. Das IW kommt zum Schluss, dass die umfangreichen geplanten Steuersenkungen von 181 Mrd. Euro (20% der Gesamtsteuereinnahmen) die staatliche Handlungsfähigkeit stark einschränken würde. Das gelte umso mehr, da die Partei eine deutliche Rentenerhöhung auf 70% des letzten Nettoeinkommens fordert – inklusive eines Steuerzuschusses zur Rentenversicherung.
Die Forderung eines Euro- oder EU-Austritts berge der Studie zufolge eine besonders große Gefahr. Die Kosten eines Dexits würden nach fünf Jahren 5,6% des realen BIP, umgerechnet 690 Mrd. Euro, betragen. 2,5 Mio. Arbeitsplätze würden dadurch wegfallen.
Auch die kritische Sicht auf Zuwanderung würde der deutschen Wirtschaft schaden. Deutschlandweit erwirtschaften die 6,7 Mio. ausländischen Beschäftigen schon heute 13,2% der Bruttowertschöpfung. Inklusive vor- und nachgelagerter Impulse steigt die wirtschaftliche Bedeutung auf 16,9%, das entspricht einer Wertschöpfung von 648 Mrd. Euro. In Ostdeutschland hätte es ohne Drittstaaten-Zuwanderung keine Zuwächse bei sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung in den vergangenen Jahren gegeben.
Bezüglich der energiepolitischen Forderungen der AfD – Windradabbau, Nordstream II-Reparatur und Kernenergie-Wiedereinstieg, hat das IW eine Umfrage unter deutschen Unternehmerinnen und Unternehmern angestellt. 67,2% erkennen im langfristigen Erstarken der Partei ein Risiko für die Transformationspolitik, 7% eine Chance. „Die AfD ist nicht nur eine Gefahr für den Standort, sondern sie vergiftet auch den Diskurs“, sagt Studienmitautor und IW-Hauptstadtbüroleiter Knut Bergmann. „Mit Begriffen wie ’Remigration‘ oder ’The Great Reset‘ dockt die Partei bewusst an extrem rechte und verschwörungstheoretische Narrative an.“ Unternehmen und Verbände trauen der Partei keinen positiven politischen Beitrag zu: „Das spiegelt sich auch im großen Engagement der deutschen Wirtschaft für Vielfalt, Weltoffenheit und Toleranz wider.“