In der Studie Branchenfokus Schuhe haben das Institut IFH Köln und das Beratungsunternehmen BBE Handelsberatung den Zustand des Handels mit Schuhen untersucht. Für das Jahr 2022 wurde dabei ein Gesamtumsatzvolumen von rund 9,2 Mrd. Euro berechnet. 2023 soll der Umsatz weiterwachsen, das Wachstum flacht jedoch aufgrund von abebbenden Nachholeffekten ab. Der Umsatz von 2019 soll 2025 wieder erreicht werden. Dennoch wird die Branche in der Studie als widerstandsfähig beschrieben. Wer sich an die Herausforderungen anpasse, der könne die schwierige Zeit gut bewältigen. Wie das zusammenpasst, erklärt Dr. Philipp Hoog, Head of Strategy Consulting und Mitglied der Geschäftsleitung bei BBE.
Sie haben für die Handelsberatung BBE gemeinsam mit dem Institut IFH Köln die Studie Branchenfokus Schuhe erarbeitet, in der Sie die aktuelle Marktsituation beschreiben und Prognosen für die nächsten Jahre aufstellen. Wie sehen die aktuelle Situation und die Prognosen aus?
Dr. Philipp Hoog: Vergangenes Jahr gab es wegen Nachholeffekten noch ein starkes Wachstum von 10,5%. Das verschiebt sich jetzt wieder, weil dieser Nachholeffekt auf Kosten anderer Konsumausgaben, im Wesentlichen inflationsbedingte Verteuerungen, ging und sich die Verteilung wieder normalisiert. Der Umsatz mit Schuhen wächst 2023 weiter, aber nicht so stark wie letztes Jahr. Für die Prognose arbeiten wir mit drei unterschiedlichen Szenarien bis 2027: einer oberen, einer mittleren und einer unteren Variante. Ausgehend vom Marktvolumen 2022 von 9,2 Mrd. Euro prognostizieren wir ein jährliches Wachstum bis 2027 von 3,1%, 2,4% oder 1,7%. In der oberen Variante erreichen wir ein Volumen von 10,783 Mrd. Euro, in der mittleren 10,41 Mrd. Euro und 10,06 Mrd. Euro in der untersten. Das Vor-Pandemie-Niveau wird voraussichtlich 2025 erreicht werden. Es wird also einen zweistelligen Milliardenbetrag geben, der in Schuhen umgesetzt wird. Bei den aktuellen Inflationsraten ist das aber keine Entwicklung, bei der man als Unternehmer voller Zuversicht in die Zukunft schaut. Zudem gibt es die Chance für viele Händler, stärker an dem Volumen zu partizipieren. Kaufhäuser haben einen Anteil von ca. 2%. Wenn es von ihnen weniger geben wird, werden Umsätze für andere Händler mit besserem Konzept frei.
Wie haben Sie diese Prognosen zusammengestellt und auf welchen Überlegungen basieren sie?
Wir haben fünf Variablen definiert und in unterschiedlichen Ausführungen auf ein Modell gelegt, um die Auswirkungen zu simulieren. In die Prognose fließen die Konjunktur und Arbeitsmarktsituation ein, außerdem mögliche Knappheiten und Lieferengpässe in den Bereichen Energie, Lebensmittel oder Rohstoffe. Preissteigerungen im Einzelhandel können die Ausgaben verschieben sowie Verschiebungen von Ausgaben auf einzelhandelsfremde Ausgaben wie Energie, Wohnen, Gesundheit und Reisen. Zu guter Letzt Einschränkungen und Konsumverzicht, zum Beispiel aus Kriegsangst oder aus Nachhaltigkeitsgründen. Aus diesen Variablen entstehen mit unserem Erfahrungsschatz und dem Gefühl für die Branche die Prognosen.