„An der Marktstellung der einzelnen Karstadt Warenhäuser ändert sich dadurch aus wettbewerblicher Sicht nichts”, sagte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, gegenüber der Süddeutschen Zeitung zur Übernahme durch die Signa Holding.
Der vorherige Eigner Niklas Berggruen hat im Interview mit dem Blatt unterdessen Fehler eingeräumt. Es sei falsch gewesen, „dass wir nicht früher und entschiedener bei der Sanierung vorgegangen sind und im Grunde notwendige Einschnitte vermieden haben.“
Berggruen kritisiert aber auch die Gewerkschaften, denen man Zugeständnisse gemacht habe, die letztlich hinderlich gewesen seien: „Wir hatten zugesagt, dass wir keine Standorte schließen und in den ersten beiden Jahren alle Mitarbeiter behalten. Das haben wir strikt eingehalten. Aber das hat uns ab 2013 in eine sehr schwierige Situation gebracht. Jede strukturelle Änderung, die wir eingefordert haben, stieß auf Widerstand“, so der Investor im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Er habe immer das Beste für Karstadt gewollt und alle Zusagen eingehalten.
„Wenn der neue Eigentümer nun Restrukturierungen vornehmen sollte, wird Verdi vielleicht auch nicht glücklich sein“, so Berggruen weiter. „Am Ende müssen sich die Gewerkschaften überlegen, was gut für Karstadt ist. Manchmal ist es bei einer Sanierung eben so: Am Anfang tut es weh, aber langfristig hilft es.“
Schuhhersteller: Sorge um Karstadt-Standorte
In der Schuhbranche werden die Entwicklungen bei Karstadt mit großem Interesse beobachtet. Man warte nun ab, wie sich die Dinge weiter entwickeln, heißt es seitens vieler Lieferanten. Allerdings schwingt die Sorge mit, dass erhebliche Einschnitte unvermeidlich sind – konkret die Schließung von Häusern. „Die Frage ist, was das für die jeweiligen Standorte bedeutet, gerade die Städte, in denen das Karstadt-Kaufhaus der wichtigste Anziehungspunkt in der City ist“, so ein Hersteller gegenüber schuhkurier. Bernd Hummel, Kangaroos, zeigt sich indes ernüchtert: „Zu Karstadt und seinen möglichen ‘Investoren’ ist von vielen Seiten längst alles gesagt. Ich habe dem nichts hinzuzufügen“, so der Unternehmer gegenüber schuhkurier.
Ralf Grossmann, Gerli, äußert auf schuhkurier-Anfrage die Hoffnung auf eine positive Wendung: „Generell begrüßen wir es sehr, dass ein neuer Investor zu 100% bei Karstadt eingestiegen ist, wir hoffen, dass jetzt das nötige Geld in die Sanierung investiert wird und dass keine Häuser geschlossen werden müssen“, so Grossmann. Der Verlust von Filialen gehe immer mit einer Paarzahlabsenkung einher. „Wir hoffen“, so Grossmann weiter, „dass bei den Mitarbeitern, die in den letzten Jahren erheblich dazu beigetragen haben, die Verluste zu minimieren, keine weiteren Einschnitte bei Gehalt, Urlaubstagen, Überstundenvergütung usw. gemacht werden.“