Das hatte sich Dariusz Milek ganz anders vorgestellt. Da saß der Gründer von CCC nun auf dem Podium der Bilanzpressekonferenz und konnte von neuen Rekorden bei Umsatz und Gewinn berichten – und dann das. Der Self-made Millionär musste sich vor allem kritischen Fragen nach den Plänen des polnischen Schuhfilialisten für den deutschen Markt stellen. Sichtlich und hörbar kein Vergnügen für Milek, der seine Antworten eher missmutig ins Mikrofon brummelte.
Expansion? „Wir müssen zuerst unsere Hausaufgaben erledigen“, erklärt Milek. Investitionen? „Daran denke ich nicht im Traum.“ Marketing-Kampagne? „Bringt nichts. Dafür sind wir viel zu klein.“ Eher pflichtbewusst denn aus voller Überzeugung schiebt der ehemalige Radrennfahrer den Hinweis auf den „langen Atem“ nach.
Es scheint, als habe man im CCC-Headquarter nahe Breslau den Spaß an Deutschland verloren. Von den ehemals offensiv vorgetragenen Expansionsankündigungen ist jedenfalls nicht mehr viel übrig geblieben. Er sehe in Deutschland ein Potenzial von rund 1.000 Flächen, hatte Fabian Kampa, der damalige Geschäftsführer von CCC in Deutschland, 2013 im schuhkurier-Interview erklärt. Heute sind es 75. Viel mehr dürften es auch in den kommenden Monaten nicht werden. CCC tritt auf die Bremse – und leitet eine Kehrtwende ein. Statt den Ausbau des Filialnetzes in Deutschland weiter voranzutreiben, geht der Blick nach Osten. Russland, Ungarn und Rumänien rücken in den Fokus der internationalen Pläne von CCC. Auch über Asien wird laut nachgedacht – schließlich lautet der Claim der aktuellen Kampagne ’Go for more‘. Angesichts dieser strategischen Gedankenspiele wirkt das zähe Business zwischen Neumünster und Kempten eher ernüchternd.
Der Hintergrund des Strategiewechsels ist klar. CCC verdient in Deutschland kein Geld. Bis Ende 2017 werde man schwarze Zahlen schreiben, hieß es in der Vergangenheit. Auch davon ist derzeit keine Rede mehr. Vielmehr heißt es, CCC müsse schon über einen langen Zeitraum deutlich zweistellig wachsen, um die Gewinnzone zu erreichen. Im vergangenen Jahr fiel das flächenbereinigte Plus mit 4% allerdings mager aus. Im laufenden Jahr sollen es nun zwingend mehr als 12% sein – ansonsten werde man sich grundsätzlich mit den Chancen auf dem deutschen Markt befassen, kündigte Dariusz Milek an.
In Deutschland wachsen die Bäume im Schuhhandel aktuell nicht in den Himmel. Das musste CCC lernen. Gegen Marktführer Deichmann im Niedrigpreissegment mit einem reinen Eigenmarkenkonzept anzutreten, ist aussichtslos. Was könnte CCC helfen? 2015 hat das Unternehmen den Onlineshop eobuwie.pl übernommen, der in Deutschland den Ableger eschuhe.de betreibt. Hier finden sich neben den CCC-Eigenmarken renommierte Markenhersteller. Im Handel wachsen bereits die Befürchtungen, CCC könne diese auch stationär ins Sortiment aufnehmen. Dazu passt die Ankündigung von Dariusz Milek, aktuell mit Sportbrands wie Puma, Kappa und New Balance zu verhandeln. Der letzte Strohhalm für CCC in Deutschland?