Christoph Gessner: Eigentlich hat das Jahr sehr gut angefangen. Wir hatten in den ersten Monaten gute Umsätze dank erfreulicher Abverkäufe. Dann kam die Regenzeit, die uns etwas zurückgeworfen hat. Aber es sieht nicht dramatisch schlimm aus. Wir sind permanent mit unseren Kunden in Kontakt, ob es nun kleine oder große sind. Einige Schuhe funktionieren wirklich sensationell. Bei der offenen Ware fehlt noch das schöne Wetter. Aber unterm Strich sind wir sehr zufrieden. Entscheidend wird sein, was in den kommenden Monaten passiert. Im Sommer ist der Schuhhandel wie eine Eisdiele. Wenn das Wetter super ist, gibt es nicht genug Plätze. Wenn es regnet, kommt kein Kunde. Wir sind eine wetterabhängige Branche. Im Süden Deutschlands ist die Situation natürlich anders. Dort haben die Menschen jetzt erstmal andere Sorgen als den Konsum von Mode und Schuhen.
Wie performen die einzelnen Marken in Ihrem Portfolio?
Mit Lurchi sind wir in F/S gut unterwegs und freuen uns über sehr gute Abverkäufe. Die Marke profitiert von einem gut funktionierenden Lagergeschäft. Wir bewegen uns mit der Marke in anderen Preislagen als mit unseren anderen Marken und betreiben Einzelpaargeschäfte. Es rufen auch kleinere Händler an und bestellen Artikel nach. Das ist für uns ein neues Business, aber es macht uns sehr viel Freude, nicht zuletzt auch, weil wir so in direkten Kontakt auch zu kleineren Kunden treten. Mit Romika sind wir in F/S 24 gestartet und waren mit dem Reinverkauf sehr zufrieden. Die Schuhe laufen gut an und sie passen. Es ist uns gelungen, unsere Kunden für die Marke zu gewinnen, und wir haben Romika für H/W noch stärker im Handel festigen können. Bei Tom Tailor sind wir konstant auf einem sehr hohen Niveau. Und dann haben wir ab F/S 2025 mit Kappa eine neue Marke im Programm. Die neue Kollektion werden wir erstmals am Gardasee präsentieren.
Wie ordnet sich die Marke bei Ihnen ein?
Kappa bietet Damen-, Herren- und Kinderschuhe in Preislagen von 29 bis 39 bzw. 49 Euro. Wir haben für die Marke ein komplett neues Vertriebsteam aufgebaut. Dazu gehören erfahrene Menschen, die auch aus dem Sportbereich kommen. Für uns als Streetwear-Label Supplier war Kappa auch im Hinblick auf die Entwicklung etwas ganz neues. Das Angebot geht in Richtung Sport, beispielsweise mit Indoor-Soccer-Schuhen. Das bedeutet nicht, dass wir mit Kappa eine Laufschuh-Brand aufbauen werden. Vielmehr soll es eine modische Marke im Lifestyle-Bereich sein, in die der Sportbereich mit einfließt. Die Arbeit macht viel Spaß. Wir haben mit Kappa vor Kurzem einen neuen Showroom im Schuh-Order-Büro (SOB) in Pirmasens bezogen. Erste Kunden waren schon da und wir haben positives Feedback wahrgenommen. Die Kollektion ist sehr gut angekommen. Wir wollen Kappa neu und frischer darstellen als es vorher war. Jetzt sind wir gespannt auf die Reaktionen am Gardasee. Dort haben wir unseren Auftritt deutlich ausgebaut.
Was bedeutet das konkret?
Wir sind neben unserem bewährten Stand D16 in Halle B2 auch in Halle A3 präsent und haben dort mit A27 einen komplett neuen Stand mit 200 qm sowie mit A30 einen weiteren direkt daneben, der nochmal 100 qm umfasst. Dort werden wir separat Romika präsentieren. Laut den Veranstaltern sind wir damit der größte Aussteller am Gardasee. Traditionell kommen unsere Kunden gern an den bewährten Stand in Halle B2, sei es auch nur auf einen Kaffee. Jetzt haben wir mehrere Auftritte. Das wird vielleicht anfangs etwas ungewohnt sein, aber nach ein, zwei Messen dürfte es sich in den Köpfen verankert haben. Wir haben für die neuen Stände in einen modernen, hochwertigen Standbau investiert. Das wird ein toller Auftritt! Wir wollen zeigen, dass die Marken separat voneinander zu sehen sind.
Sie sind mit der neuen Marke auf dem Weg zum Multibrand-Anbieter…
Wir gehen sehr bedacht an die Sache heran. Wir nehmen nicht jede Marke mit auf. Es muss für uns einen Sinn ergeben. Bis dato hat alles gut gepasst, die Marken in unserem Portfolio unterscheiden sich und stehen nicht miteinander in Konkurrenz. Aber es kommt vor, dass man uns anspricht, weil man sich eine Zusammenarbeit mit uns vorstellen kann. Am Ende des Tages muss es passen. Wir legen sehr hohen Wert auf den Entwicklungsbereich und investieren sehr viel; Maquetten- und Leistenbau finden bei uns vor Ort statt. Das ist ein erhebliches finanzielles Investment, und das muss Mehrwert für uns bringen. Insofern müssen neue Marken zu uns und unserem Portfolio passen.
Wird jede Marke in einer eigenen Business Unit geführt?
Es gibt Überschneidungen zwischen den Teams. Speziell Walter „Wawi“ Weichhart und ich sind sehr stark in die Entwicklung involviert und bringen uns mit ein. Es ist immer ein offener Austausch, um die Ideen aller Beteiligten zusammenzutragen. Manche Idee passt dann vielleicht nicht zur einen Marke, aber zur anderen. Wir haben in Personal investiert und unsere Teams verstärkt. Der neue Anbau, in dem unser Entwicklungszentrum untergebracht ist, wurde fertiggestellt. Darüber sind wir sehr glücklich. Beim Vertrieb wird es eine Trennung geben. Es wird niemand unterwegs sein und von Lurchi über Romika und Tom Tailor bis Kappa alle Marken nacheinander präsentieren. Jede Marke wird einzeln zu gesonderten Terminen gezeigt. Wir wollen keinen Kunden überfordern. Es sind unterschiedliche Brands, die autark nebeneinander laufen. Das einzige, was sie alle gemeinsam haben, ist die Rechnungsstellung aus dem Haus Supremo.