„Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen“, berichtet Sebastian Kiesow. Mangelnde Frequenz, Kaufzurückhaltung im mittleren bis leicht gehobenen Genre, die Rabattaktionen von Wettbewerbern wie Sinn oder Kaufhof an seinem Standort: Der Lederwarenhändler begründet seinen Schritt mit zahlreichen Entwicklungen der letzten Jahre.
Bereits während der Corona-Pandemie und der monatelangen Geschäftsschließung habe er zwischendurch „gedanklich abgeschlossen und sein Dasein in Frage gestellt“. Im Jahr 2023 keimte durch den Nachholbedarf und das damit verbundene Plus Hoffnung auf. Ab 2024 sei es dann ab wieder schlechter gelaufen. „Die Handtasche ist seit Corona eingebrochen. Ihren Peak hatte sie vor zehn Jahren.“ Schuhe und Textilien hätten diese Entwicklung nicht auffangen können.
Der Einkauf sei gleichwohl immer von Optimismus geprägt gewesen. Auch durch Events und die Kunden-App habe er versucht, die Frequenz anzukurbeln – durchaus mit Erfolg. Das Schulgeschäft habe sich in den letzten Jahren ebenfalls stark entwickelt. Das Potenzial sei damit aber auch ausgereizt, so Sebastian Kiesow.
Zwei Ereignisse hätten dann letztendlich den Ausschlag gegeben. „Das Weihnachtsgeschäft 2024 entsprach einem durchschnittlichen Monat. Erstmals war der August stärker als der Dezember“, sagt Sebastian Kiesow. In diesem Jahr feiert das Unternehmen außerdem sein 175jähriges Bestehen. „Wir haben für den Jubiläumsverkauf im Juni kräftig die Werbetrommel gerührt. Trotzdem haben wir unsere Planumsätze nicht erreicht.“
Auch die Aussichten stimmen Sebastian Kiesow nicht optimistisch. „Wenn im nächsten Jahr der Mindestlohn kommt, verdient eine studentische Aushilfe fast so viel wie eine langgediente Mitarbeiterin. Gleichzeitig gehe ich davon aus, dass sich die Wirtschaft nicht wesentlich erholt.“
Anfang September startet der Räumungsverkauf. Die 14 Mitarbeitenden kennen die Planungen. Sebastian Kiesow ist überzeugt, dass sie neue Stellen in anderen Unternehmen finden werden. Seine eigene Zukunft sei noch offen, berichtet der 50-Jährige. Nur eines steht fest. „Zum Aufhören bin ich noch zu jung.“