Während immer mehr Händler überlegen, ob sich die Kinderschuhabteilung wirklich noch lohnt, saßen vor wenigen Wochen am runden Tisch von schuhkurier Unternehmer, die mit großer Leidenschaft Schuhe an Jungs und Mädchen verkaufen. Die an unserer Gesprächsrunde teilnehmenden Händler haben zwar sehr unterschiedliche Konzepte – sie eint jedoch die Begeisterung, mit der sie sich einem zugegebenermaßen unbequemen Segment widmen. Dem Einsatz dieser Händler und ihrer Mitarbeiter ist es zu verdanken, dass sie das Krisenjahr 2018 nicht ganz so arg getroffen hat wie andere Marktteilnehmer und dass sie trotz aller widrigen Umstände optimistisch in die Zukunft blicken. Sie haben treue Kunden, die Wert legen auf Fachberatung. Und sie haben tolles Personal. Gleichwohl wurde im Rahmen unserer Diskussion am runden Tisch sehr deutlich, dass es auch im Kinderschuhbereich ordentlich knirscht im Gebälk.
Das ewige Thema der Kommunikation, der besseren Zusammenarbeit zwischen Industrie und Handel, der wirklich fairen Partnerschaft war auch Gegenstand des Meinungsaustausch unter den Kinderschuh-Händlern. Man wundert sich, wie es sein kann – 2019 – dass oft selbst die simpelsten Regeln der Zusammenarbeit nicht beachtet werden. Industrievertreter müssen sich fragen lassen, warum Schuhe nach wie vor nicht pünktlich geliefert werden, sondern im Gegenteil mit teils gravierenden Verspätungen. Was auch bei Damen und Herrenschuhen erhebliche Probleme aufwirft, kann im Kinderschuhbereich schnell zur Katastrophe führen. Schließlich ist bekannt, dass es sehr eng gesteckte Verkaufszeiträume für dieses Segment gibt. Wenn Ware dann um Wochen zu spät kommt, bleibt der Händler sehr wahrscheinlich darauf sitzen. Das kann nicht im Sinne der Sache sein! Dazu passt, dass Händler nach wie vor über nicht ausreichende Kommunikation klagen. Auftrag geschrieben, Schuhe (irgendwann) geliefert – und Haken dran? Dieses Verständnis von B2B-Business mutet fast mittelalterlich an. Dabei sind doch die Händler und ihre Mitarbeiter direkt an der ’Verkaufsfront‘ und können ihren Lieferanten sehr wertvolle Rückmeldungen zur Performance ihrer Schuhe geben.
Was zum nächsten großen Problemfeld führt: den Reklamationen. In Zeiten, da jeder Onlineanbieter Ware kostenlos und ohne lange Diskussionen zurücknimmt und austauscht, kann sich der stationäre Fachhandel Zickigkeiten in diesem Bereich nicht leisten. Dafür braucht er aber Lieferanten, die ihm den Rücken frei halten und es ihm ermöglichen, den Wünschen des Kunden zu entsprechen. Kinderschuhe waren noch nie ein Selbstläufer. Heute ist dieses Business sogar noch komplizierter geworden. Erfolg braucht dabei eine Kraftanstrengung aller Beteiligten. Handel und Industrie sitzen auch hier in einem Boot.