Michael Conradi ist ein echtes Urgestein. Seit Ende der Siebziger Jahre mischt der Vollblut-Unternehmer in der Schuhbranche mit. Als wahrer Selfmademan hat er Buffalo aufgebaut und am Markt etabliert. Mitte der Neunziger Jahre war seine Marke in aller Munde: Ausgelöst durch die Techno-Welle erlebten die Turnschuhe mit der ungewöhnlichen Wolkensohle einen Hype. Landauf, landab fanden die – aus heutiger Sicht ästhetisch zumindest zweifelhaften – Modelle reißenden Absatz. Buffalo sorgte so für einen der größten Verkaufsschlager der vergangenen Jahrzehnte. Viele Händler werden sich gerne erinnern – ebenso wie Michael Conradi: „Das war ein Millionenseller. Ein Lottogewinn. So etwas hat man – wenn überhaupt – nur einmal im Leben“, sagte er 2013 in einem Interview mit schuhkurier.
Eine Fortsetzung dieser Erfolgsstory wird es für ihn nun definitiv nicht geben. Mit dem Verkauf von Buffalo an Deichmann dürfte sich Michael Conradi aus der Branche verabschieden. Ein Abgang mit Knalleffekt. Deichmann kauft Buffalo – noch vor einigen Jahren wäre diese Konstellation kaum denkbar erschienen. Dass es nun genauso gekommen ist, zeigt, was mittlerweile in der Branche möglich ist. Nämlich alles. Denkverbote existieren nicht mehr. Alte Gesetze verlieren ihre Gültigkeit, Grenzen verschwimmen oder verschwinden gänzlich.
Der Wandel ist für viele zum Alltag geworden. So ist zu erklären, dass der Aufschrei im Handel zur Übernahme von Buffalo nicht vergleichbar ist mit früheren Übernahmen des übermächtigen Branchenprimus aus Essen. Insbesondere der ’Fall Elefanten‘ sorgte für erregte Gemüter und verursachte hohe Wellen. Das ist nun deutlich anders. Ist Buffalo für den Fachhandel verloren? Geht es nach dem Willen der neuen Eigentümer, soll dies keineswegs so sein. Vielmehr betont man bei Deichmann, dass die Marke auch künftig eigenständig erhalten werden soll. Buffalo soll nicht als Eigenmarke in den rund 1.400 Filialen in Deutschland geführt werden. Jeder Kunde muss nun abwägen, wie und ob er künftig mit Buffalo zusammenarbeiten möchte. Geht es nach den Erfahrungen aus der Vergangenheit, dürfte die Marke jedoch einen schweren Stand haben.
Aus Sicht von Deichmann macht die Übernahme zweifellos Sinn. Zugleich ist sie ein Zeichen der Stärke. Der Deal beweist, dass man in Essen gewillt ist, die Entwicklungen in der Branche weiterhin aktiv zu gestalten. Während viele andere mit dem Erhalt des Status quo zufrieden wären, geht Deichmann weiter voran. Buffalo ist ein Baustein in dieser Strategie. Ein weiterer Beleg war der Start des jungen ’Onygo‘-Formats vor wenigen Wochen. Nahezu perfekt auf den Zeitgeist zugeschnitten und mit den finanziellen Mitteln von Deichmann im Rücken, wird dieses Konzept noch für Furore sorgen – und Buffalo eine neue Heimat bieten.
Ein Kommentar zur Übernahme von Buffalo durch Deichmann von Helge Neumann. (schuhkurier Ausgabe 40/2016)