über 100 Marken
Rund 18.000 verschiedene Produkte
insgesamt 100.000 Artikel
Versand von über 2.000 Artikeln inder Spitze
35 bis 40 Mitarbeiter
Kooperation mit Zalando, Karstadt,Otto und Neckermann Österreich
ein Shop am Firmensitz und zwei Filialen in Innenstadtlage
Die Kundin zögert. Größe und Funktionalität des Trolleys finden ihre Zustimmung, aber die Farbe gefällt ihr nicht hundertprozentig. In Rot, so wie das kleinere Modell, das wäre prima. Kein Problem für Verkaufsmitarbeiterin Rosemarie Hahn. Zusammen mit ihrer Kundin schaut sie am Computerterminal der Filiale in den Online-Shop der Koffer-Arena und zeigt ihr das gewünschte Modell. “Wir können Ihnen den Koffer portofrei nach Hause liefern, oder Sie holen ihn morgen direkt selbst hier ab, ganz wie Sie möchten”, erklärt die Fachfrau. “Praktisch”, freut sich die Kundin. “Dann muss ich den Koffer nicht durch die halbe Stadt ziehen.”
In der Filiale der Koffer-Arena in Winnenden sind solche Situationen keine Seltenheit. “Rund 40 Prozent der Verkäufe erfolgen dort bereits mit Rückgriff auf das Zentrallager”, bilanziert Geschäftsführer Arno Dolzer rund anderthalb Jahre nach der Geschäftseröffnung. Er wertet diese Entwicklung als Erfolg und ist überzeugt: “Online-Shop und stationärer Handel ergänzen sich.” Deshalb übernahm er jetzt auch das ehemalige Lederwarenfachgeschäft Ilg in Waiblingen und eröffnete seine zweite Filiale in Innenstadtlage. Ein weiterer Shop am Firmensitz in Backnang komplettiert das Geschäftsnetz.
Dolzer versteht seine Läden nicht als Anhängsel zum Online-Shop, sondern als gleichberechtigte Vertriebsschiene. “Wir verknüpfen beide Kanäle ernsthaft. Das Ladengeschäft soll sich dank des Zentrallagers im Hintergrund selbst tragen.” Der Lederwarenhändler untermauerte seinen Anspruch mit einer sechsstelligen Investitionssumme, mit der er die Ladeneinrichtung auf den neuesten Stand brachte. Edelstahl, weißes Holz und Lack sorgen für eine zeitgemäße Optik. Neben einer Picard-Galerie prägt die 14 Meter lange Samsonite-Rückwand das Geschäft. Er ist überzeugt: “Wenn man etwas macht, dann muss man es richtig anpacken.”
Für alle Kundengruppen will er etwas Passendes bieten. Im Trend liegende Taschenmarken wie W Double You oder Aunts & Uncles sind ebenso präsent wie Klassiker von Joop, The Bridge, Porsche Design oder Lacoste.
Vertrauensaufbau
“Für Sie vor Ort online”, lautet der Slogan. Denn durch den Online-Shop und die dahinter stehende Logistik können die Koffer-Arena.de-Filialen ihren Kunden eine immense Auswahl bieten. Das Sortiment umfasst über 100 Marken. Rund 18.000 verschiedene Produkte und insgesamt 100.000 Artikel sind in Backnang permanent auf Lager. Diese Dimensionen sind für einen klassisch aufgestellten Fachhändler mit ein oder zwei Ladenlokalen nicht zu finanzieren.
Der Online-Shop bringt zudem einen Werbeeffekt mit sich. Über den Hinweis auf der Internetseite findet überhaupt erst der ein oder andere Kunde den Weg in die Filialen. Aber nicht nur die Ladengeschäfte profitieren von der Multi-Channel-Strategie. Die Filialen erhöhen das Vertrauen, das Kunden einem Online-Shop entgegenbringen, ist Arno Dolzer überzeugt.
Das zeige unter anderem ein Blick in die Statistik: Die Webseiten, auf denen die Filialen in Wort und Bild vorgestellt werden, werden besonders häufig angeklickt. Kunden, die sich vor dubiosen Online-Händlern fürchten, finden hier einen Anknüpfungspunkt zu ihrer vertrauten Einkaufswelt. Auch im direkten Gespräch mit Verbrauchern komme dieser Aspekt immer wieder zur Sprache, so Dolzer.
Die Filialen stärken zudem die Markenbekanntheit von Koffer-Arena.de im Internet. “Der regionale Bezug ist zu erkennen”, sagt Dolzer beim Blick auf die Statistik der Herkunft der Shop-Besucher. Stuttgart liegt immer unter den Top 5 und durchschnittlich auf dem dritten Rang. Die Schwabenmetropole ist also überrepräsentiert.
Hinter der Koffer-Arena steht die Firma Tasko Products GmbH. Die Abkürzung steht für Taschen Kopetzky. Das Unternehmen blickt auf eine lange Tradition in der Lederwarenbranche zurück: Arno Dolzers Großvater und Mutter sind beide Feintäschnermeister, die eigene Produktion wurde bis 2001 aufrechterhalten. Dazu betrieb man parallel immer ein Einzelhandelsgeschäft. Es ist eine für die Branche typische Firmenhistorie – bis zum Jahr 2008. In diesem Jahr ging der Online-Shop Koffer-Arena.de an den Start.
Arno Dolzer ist ein Pionier im Online-Handel. Als Student verkaufte er bereits vor über zehn Jahren Waren aus eigener Produktion. Seitdem stiegen die Anforderungen an einen professionellen Online-Shop kontinuierlich. “Damit ist aber auch der Markteintritt für neue Anbieter deutlich schwieriger geworden”, stellt Dolzer fest. Bei Koffer-Arena.de können die Kunden zwischen acht Bezahlmöglichkeiten wählen.
Um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, arbeitet Tasko außerdem mit einer spezialisierten IT-Kanzlei zusammen. “Das wäre für einen Ein-Mann-Betrieb schwierig.” Hinzu kommen steigende Aufwendungen, um die Sichtbarkeit im Netz zu garantieren. Bei der Koffer-Arena kümmern sich geschulte Mitarbeiter nur um das Marketing.
Das Retouren-Management schließlich bezeichnet Dolzer als “mittlerweile Kerngeschäft” im Online-Handel. “Hier trennt sich die Spreu vom Weizen der Händler – es wird immer versucht, dem Kunden den besten Service zu bieten und die Prozesse im Hintergrund straff zu halten”. Denn jede Retoure zieht einen Rattenschwanz an Arbeit nach sich. Verschiedene Mitarbeiter beschäftigen sich täglich damit, den zurückgesandten Artikel möglichst am gleichen Tag wieder versandbereit zu machen. Hinzu kommen der Aufwand für die buchhalterische Erfassung und Gebühren für den Umsatzausfall der Finanzdienstleister. “Da beteiligt sich jeder am entgangenen Geschäft.”
Durch eine möglichst perfekte Produktbeschreibung, die Fotos von allen Seiten des Artikels sowie des Innenlebens umfasst, und Shop-Funktionen wie einer Lupe werde versucht, die Retourenquote möglichst niedrig zu halten. Trotzdem sei natürlich die Vermittlung der Haptik immer eine Herausforderung. “Manche Kunden kommen daher mit einem PC-Ausdruck in die Geschäfte und wollen sich den Artikel einmal ansehen.”
Und wie hoch fällt die Retourenquote nun aus? Dolzer zögert mit seiner Antwort. Seine Reaktion lässt sich nicht auf Geheimniskrämerei zurückführen. Denn die Retourenquote hängt nicht nur von der Art des Artikels ab, sondern auch von dem Portal, über das der Kunde bestellt. Durchschnittlich könne man von einer Retourenquote von “plus minus 10 Prozent” ausgehen.
Dolzer weiß, wovon er spricht. Tasko kooperiert mit mehreren Online-Shops im Bereich Lederwaren. Zu den Partnern zählen neben dem Berliner Online-Schwergewicht Zalando auch die Web-Shops von Karstadt, Otto sowie Neckermann Österreich. Je nach Kooperation tritt man mit eigenen Namen auf oder agiert im Hintergrund. Dolzer stellt klar: “Diese Kooperationen sind für uns nur ein Zubrot. Im Mittelpunkt steht unser eigener Shop.””Wir versuchen langfristig nach Möglichkeit Vollsortimente der einzelnen Hersteller zu führen.”
Dolzer setzt gezielt auf eine hohe Sortimentstiefe. Dadurch unterscheide man sich von anderen Onlineshops, die bei Taschen und Accessoires allein auf die Bestseller setzten. Außerdem könne man auf diese Art und Weise stabile Preise durchsetzen, weil man nicht auf ein paar wenige Artikel und Bestseller angewiesen sei. Sobald ein neuer Koffer oder eine neue Tasche auf den Markt kommt, werden diese bei Koffer-Arena.de von vielen Herstellern direkt bemustert. Auch ausgefallene Produkte, wie z.B. der Kleidersack auf vier Rollen in Türkis von Samsonite, sind somit auf Lager.
Wachstum
“Unser Konzept hat Zukunft”, so Dolzer. Die Zahlen sprechen für sich: Bis zu 2.000 Artikel gehen allein am Montag, dem stärksten Tag der Woche, in den Versand. Vier- bis fünfmal täglich wird Ware in Backnang abgeholt. Je nach Saison beschäftigt der Lederwarenhändler 35 bis 40 Mitarbeiter. Arno Dolzer fährt keinen aktiven Expansionskurs. “Der Standort in Waiblingen wurde uns angeboten”, führt er aus. “Auch immer mehr Markeninhaber und Hersteller kommen aktiv auf uns zu und bieten ein Lieferantenverhältnis an. Dies führen wir vor allem darauf zurück, dass wir uns als Kunde in den vergangenen Jahren stets partnerschaftlich und professionell verhalten haben. Jedes bestehende Lieferantenverhältnis sehen wir als Referenz.”
Im laufenden Jahr plant er mit 20 bis 30 neue Marken, vorwiegend im gehobenen Preisbereich, im Portfolio.Eine Herausforderung sei die Personalsuche. “Wir benötigen Mitarbeiter, die fit an der Ware und fit am PC sind.” Diese Anforderung stellt der Händler nicht nur an seine Kräfte im Verkauf, sondern im gesamten Unternehmen.Tasko soll wie in der Vergangenheit “organisch” wachsen und ohne die Unterstützung externer Kapitalgeber. In diesem Zusammenhang schätzt er auch den familiären Charakter der Lederwarenbranche. Venture Capital spiele hier keine Rolle. “Wir fühlen uns daher nicht getrieben, sondern arbeiten mit Freude an der Sache Online und Offline.”