Laut einem Bracheninsider sind die 30 besten Schuhe im Markt derzeit Sneaker. In den Sortimenten des Fachhandels spiegelt sich diese Entwicklung jedoch nur unzureichend wider.
11.05.2016
Helge Neumann
2 Minuten
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Der Schuhhandel hat ein Problem. Nein, es ist nicht das Wetter – auch wenn die vergangenen Wochen zweifellos Anlass zur Sorge gaben, ob sich der Frühling überhaupt noch einstellt. Seit dem vergangenen Wochenende kann zumindest dieses Thema ad acta gelegt werden. Auch von Amazon, Zalando & Co. soll an dieser Stelle einmal nicht die Rede sein. Tatsächlich hat der Fachhandel aktuell ein Relevanzproblem.
Laut einem Bracheninsider sind die 30 besten Schuhe im Markt derzeit Sneaker. In den Sortimenten des Fachhandels spiegelt sich diese Entwicklung jedoch nur unzureichend wider. Viel zu viele Pumps, Ballerinas & Co. und zu wenige sportive Styles. Das Fazit des Experten lautet daher: „Wir sind mit den falschen Sortimenten und den falschen Lieferanten unterwegs.“ Dabei ist der Handel größtenteils zwangsweise von der Marktdynamik abgekoppelt. Grund ist die Vertriebspolitik der beiden Unternehmen, die aktuell die Trends setzen: Adidas und Nike. Die besonders gefragten Produkte der großen Player sind für den klassischen Fachhandel meist überhaupt nicht verfügbar. Immer höher angesetzte Mindestbestellmengen oder Bedingungen nach dem Motto ’Du bekommst die Schuhe, aber dann musst du auch die Textilien nehmen‘ machen ihm zusätzlich zu schaffen. Der Weg ist klar vorgezeichnet: Laut Adidas-Chef Herbert Hainer will der Sportkonzern mehr als 60% des Gesamtumsatzes über selbst kontrollierte Verkaufsflächen erzielen. Der Rest wird in Zusammenarbeit mit ausgewählten Handelspartnern auf der einen und hoch spezialisierten Sneaker-Stores auf der anderen Seite erwirtschaftet. Schon heute lohnt sich ein Blick in die Schaufenster von Deichmann… Die Bedürfnisse des mittelständischen Handels genießen dagegen in Herzogenaurach keine Priorität – das zeigte sich bereits im vergangenen Jahr bei der Einführung der neuen Zahlungsbedingungen.
Besonders dramatisch an dieser Entwicklung ist, dass die junge Generation auf der Suche nach dem neuesten Trend-modell häufig noch nicht einmal mehr die Geschäfte des Fachhandels betritt, weil sie bereits im Vorfeld davon ausgehen kann, die gewünschten Modelle hier nicht zu finden. So geht eine Genera-tion verloren. Sichtbar wird zudem eine Machtverschiebung im Markt. Marken benötigen den Handel nicht mehr zwingend, um die Kunden zu erreichen. Das erledigen Sie heute zunehmend selbst. Zudem können dank der sozialen Medien auch neue Trends in Eigenregie gesetzt werden. Der Rihanna-Creeper von Puma ist gerade mehr schlecht als recht kopiert, da wird bereits der nächste Style gelauncht. Rihanna, Beyoncé oder It-Girl Kylie Jenner dienen dabei nicht mehr allein als Werbebotschafter, sondern betätigen sich aktiv als Verkäufer. So postete Kylie Jenner kürzlich auf Instagram ein Foto ihrer neuen Sneaker mit dem Kommentar ’Get them now @ puma‘ Die Folge: 1 Mio. Likes.