Die Messesaison endet mit einem Knall. Die Marken der Wortmann-Gruppe werden künftig nicht mehr auf der Gallery Shoes ausstellen. Tamaris, Marco Tozzi,
Caprice, Jana und S. Oliver Shoes ziehen sich aus Düsseldorf zurück. Das ist ein Paukenschlag. Wirklich überraschend kommt diese Entwicklung allerdings nicht. Die Bewertung der vergangenen Ausgabe der Schuhmesse durch Jens Beining fiel bereits sehr zurückhaltend aus. „Die Grundfrequenz ist nicht ausreichend“, teilte der Wortmann-CEO gegenüber schuhkurier mit. Insbesondere der anhaltend geringe Besuch aus dem Ausland sorgte in Detmold für Unzufriedenheit. Diese war nun offenbar so groß, dass eine harte Entscheidung getroffen wurde. Dabei haben es sich die Verantwortlichen in Detmold im Wissen um die eigene Bedeutung nicht leicht gemacht. Wortmann ist schließlich nicht irgendein Unternehmen. Es handelt sich um den Branchenprimus, der über Jahrzehnte maßgeblich das Messegeschehen auf der GDS und zuletzt auf der Gallery Shoes mitgeprägt hat. Diese Ära geht nun zu Ende.
Es ist jedoch keinesfalls ausgemacht, dass die Gallery Shoes massiv unter dem Abschied der Wortmann-Marken leiden wird. Vielmehr steckt in der notwendigen Umstrukturierung auch eine Chance, um das Profil der Veranstaltung weiter zu schärfen. Dem Team um Messe-Chefin Ulrike Kähler wird es zweifellos gelingen, die frei gewordene Fläche mit spannenden Konzepten zu belegen. Das Kommen und Gehen von Ausstellern gehört letztlich zum Tagesgeschäft von Messemachern. Das gilt auch im Falle Wortmann.
Nicht wenige Händler hatten sich im Zuge des Wechsels von der GDS zur Gallery Shoes eine spitzere Ausrichtung gewünscht. Mehr Premium, weniger Mainstream. Diese Ausrichtung wäre nur eine der Optionen für die Gallery Shoes.
Auch auf der Moda made in Italy und der Essenz sorgte das Thema „Messen“ noch vor dem Bekanntwerden des Abschieds der Wortmann-Gruppe von der Gallery Shoes für intensive Diskussionen. Am Ende einer anstrengenden Orderrunde waren viele Akteure spürbar müde. Die vielen Termine schlauchen, auch weil echte Besuchermagneten fehlen. Von Riva über Berlin bis München – etliche Messen konnten nicht überzeugen. Es sind schlicht zu viele Veranstaltungen, die mittlerweile um die Gunst der Händler buhlen. Vor allem viele Handelsvertreter empfinden die Messe-Inflation als eine Belastung, schließlich erwarten ihre Kunden, dass sie stets vor Ort sind – wo auch immer. Ein Ende der unbefriedigenden Lage ist nicht in Sicht, schließlich hängen an jeder Veranstaltung Interessen. Im Sinne der Branche ist das Klein-Klein jedoch nicht.