Corona hat vieles auf den Kopf gestellt. Der private und geschäftliche Alltag wurde durch die weltweite Pandemie kräftig durchgeschüttelt. Das hat auch Folgen für die Bewertung der Geschäftsentwicklung. Minuszahlen, die in Vor-Corona-Zeiten noch für tiefe Enttäuschung gesorgt hätten, werden nun schon als kleiner Erfolg gefeiert. Die Krise lenkt den Blick auf das wirklich Wichtige. Statt ständig nach ’mehr‘ zu streben, steht auf absehbare Zeit die Sicherung der wirtschaftlichen Existenz im Mittelpunkt. Man nimmt, was kommt. Eine neue Bescheidenheit hält Einzug – auch in der Schuhbranche.
In dieser Hinsicht gab es in den vergangenen Tagen einige positive Ansätze. Die Verbraucherstimmung und die Frequenz in den deutschen Einkaufslagen nähern sich langsam aber sicher dem Niveau der Wochen und Monate, bevor das Corona-Virus Deutschland in Schockstarre versetzte. Die Richtung stimmt. Geht es gar nach dem renommierten Ifo-Institut aus München, macht sich die deutsche Wirtschaft in diesen Tagen auf den Weg, das Tal der Tränen hinter sich zu lassen. Nach dem Absturz im ersten Halbjahr werde es in der zweiten Jahreshälfte stetig bergauf gehen, so die Experten. Auch der private Konsum stabilisiere sich. Die frohe Botschaft aus München: „Es geht aufwärts!“
In den vergangenen Wochen war von diesem positiven Schwung im Schuh- und Bekleidungshandel allerdings nur wenig zu spüren. Während die Einnahmen des Einzelhandels im Mai laut dem Statistischen Bundesamt im Vergleich zum Vormonat so stark wie noch nie seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1994 gestiegen sind, kämpft die Fashionbranche weiter gegen Umsatzeinbrüche im deutlich zweistelligen Bereich. Mode ist der große Corona-Verlierer. „Wir sind noch weit von einer Normalität entfernt“, erklärte dazu Prof. Dr. Siegfried Jacobs vom Bundesverband des deutschen Schuheinzelhandels.
Mittelfristig dürfte sich an der schwierigen Lage wenig ändern. In den Großstädten fehlen die Touristen, und generell erweist sich die Maskenpflicht weiterhin als großes Hemmnis beim Shoppen von Schuhen und Mode. Erste Diskussionen über eine Abschaffung der Verpflichtung, beim Einkaufen eine Maske zu tragen, sind dieser Tage schnell wieder versandet.
„Das Schlimmste an der ganzen Situation ist die Unsicherheit“, sagte mir dieser Tage ein Händler. Seit Monaten werfe er bereits gezwungenermaßen gutes Geld schlechtem hinterher. Dabei sei völlig unklar, wann es wieder aufwärts gehe. Im Herbst? Im Winter? Oder gar erst nächstes Jahr?