Angenommen, Sie müssen 100 Euro pro Monat einsparen – wo setzen Sie an? Diese Frage hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa in einer repräsentativen Umfrage im Frühjahr dieses Jahres 1.000 Menschen in Deutschland gestellt. Die Antwort fällt aus Sicht der Schuhbranche ernüchternd aus. Zwei Drittel der Verbraucher würden nämlich am ehesten auf Schuhe und Kleidung verzichten. Erstaunlich erscheint, dass vor allem Frauen jeden Alters (74%) und Jüngere Kunden bis 29 Jahren (73%) an ihren Ausgaben für Mode sparen würden. Schließlich sind doch gerade diese beiden Bevölkerungsgruppen die tragenden Säulen für den Schuh- und Modehandel. Bei den Männern waren es dagegen nur 57%. Deutschland, Land der Modemuffel.
Das Ergebnis der Forsa-Umfrage dokumentiert erneut Schwarz auf Weiß, was viele Händler bereits seit längerem beklagen. Die Wertschätzung für das Produkt Schuh in der öffentlichen Wahrnehmung sinkt kontinuierlich. Andere Warengruppen haben der Mode den Rang abgelaufen. In erster Linie Elektronik. Noch nie waren der Anteil der Ausgaben für Schuhe und Textilien an den Gesamt-Konsumausgaben so gering wie heute. An dieser Entwicklung ist unsere Branche nicht ganz unschuldig. Im Gegenteil: Sie hat maßgeblich dazu beigetragen, z.B. durch immer frühere und aggressivere Preisaktionen, die an dieser Stelle schon häufig (und bislang leider folgenlos) beklagt wurden. Resultat ist eine in der Mitte der Gesellschaft fest verankerte „Geiz-ist-geil“-Mentalität. Hinzu kommt, dass viele Menschen schlicht „satt“ sind. Die Schränke sind in vielen Haushalten voll mit Sneakern, Sandalen, Blusen und Hosen, von denen ein erheblicher Anteil gar nicht getragen wird. Kein Wunder, dass also gerade hier gespart werden würde.
Andererseits kann die Bereitschaft der Deutschen, zuerst auf den Kauf von
Fashion zu verzichten, nicht wirklich überraschen. So ist hinlänglich bekannt, dass das modische Bewusstsein hierzulande eher gering ausgeprägt ist. Forscher des Instituts für Handelsforschung aus Köln fanden in Kooperation mit der BBE Handelsberatung bereits vor zwei Jahren heraus, dass Deutschland mit Pro-Kopf-Ausgaben für Schuhe in Höhe von knapp 120 Euro im EU-Vergleich nur Platz 16 belegt. Spitzenreiter sind Österreich, Luxemburg, Großbritannien und Italien. „Jeder Marktteilnehmer muss sich daher die Frage stellen: Wie kann der Schuh als modischer Begleiter stärker in den Fokus gerückt werden?“, forderte damals Jürgen Hanke von der BBE. An dieser Aufgabenstellung hat sich nichts verändert. Antworten müssen her.