In den Niederlanden, wo seit dem 28. April erste Lockerungen gelten. Maastricht, Roermond, Venlo und viele andere niederländische Städte platzten am ersten Maiwochenende aus allen Nähten. Fast hätte man denken können, es gebe keine Pandemie. Nur wenige trugen Masken. Ein verändertes Einkaufsverhalten war allenfalls daran erkennbar, dass sich vor verschiedenen Sneakerläden und vertikalen Modeunternehmen lange Schlangen bildeten. Dort wurde geduldig, mit Abstand – und teilweise sehr lange – auf den Einlass gewartet. Beim Betreten der Geschäfte war die Desinfektion der Hände obligatorisch, ebenso das Tragen der Maske. Ansonsten erinnerte das Grundrauschen in vielen niederländischen Städten am Maifeiertag eher an die Zeit vor der Corona-Krise. Und es waren bei weitem nicht nur einheimische Konsumenten mit Lust auf Stadtbummel, die sich in den Fußgängerzonen, Cafés und Geschäften tummelten. Trotz aller Appelle und Warnungen von Bürgermeistern und Landräten im Vorfeld des
Feiertags und trotz einer Inzidenz, die mit um die 300 etwa doppelt so hoch ist wie hierzulande, hatten sich auch viele Deutsche auf den Weg ins Nachbarland gemacht. Für den Geschäftsinhaber auf dieser Seite der Grenze ist das eine bittere Pille. Denn sie befinden sich weiter im Lockdown, während „drüben“ schon geshoppt werden darf.
Beobachter der Szenen am 1. Mai dürften ein Wechselbad der Gefühle erlebt haben: einerseits Freude über die so lang vermisste Leichtigkeit. Und anderseits Sorge, dass es fast schon „zu normal“ sein könnte, zu viel, zu früh. Eine Schlussfolgerung lässt sich in jedem Fall ziehen: Die Menschen sehnen sich nach Normalität. Nach Stadtbummeln und Restaurantbesuchen. Wenn unser Dauerlockdown erst einmal beendet ist, wird es einen Run auf unsere Innenstädte geben. Und dieser hält hoffentlich lange an.