Wenn die Dinge nicht so laufen, wie man sich das vorstellt, wenn Umsätze stagnieren oder gar sinken, wenn Kunden wegbleiben – dann kann man es sich leicht machen, indem man sich frustriert und schmollend in eine Ecke setzt und andere für die Misere verantwortlich macht. An denen kann man sich dann wunderbar abarbeiten. Das mindert den Frust und tut womöglich für einen gewissen Zeitraum beinahe gut. Nur: Das eigentliche Problem wird dadurch nicht gelöst. Es bleibt. Und wird größer. Zwar mag es immer „Verantwortliche“ geben. In unserer Branche sind beliebte „Täter“ die Kunden mit ihren anderen Ansprüchen, die Onliner, die den stationären ein großes Stück vom Kuchen abnehmen – und das Wetter. Aber dies entbindet den Einzelnen nicht von der Pflicht, sich den Gegebenheiten zu stellen und gegenzuhalten.
Auch dem Pirmasenser Unternehmer Bernd Hummel ist vor einigen Jahren ein rauer und kalter Wind entgegengeweht. Einige seiner Key Accounts, erzählt er im Interview mit unserer Redaktion, gerieten um 2012/2013 herum in Schwierigkeiten. Zusammen mit verschiedenen anderen veränderten Rahmenbedingungen sorgte das für einen Umsatzrückgang beim Lieferanten der Marken Kangaroos und Flip Flop. Im wundervoll restaurierten altehrwürdigen Neuffer am Park im Herzen von Pirmasens zerrte die angespannte Situation erheblich an den Nerven. Aber Bernd Hummel wäre nicht Bernd Hummel, wenn er darauf nicht auch eine Antwort gefunden hätte. Und die hieß: Wenn sich der Markt verändert, müssen wir uns auch verändern. Gesagt, getan.
In der Rückschau sagt der Unternehmer mit der großen Leidenschaft für die darstellende Kunst, man habe „alles auf den Kopf gestellt“. Personal, Kollektionssegmente, Technologie, Prozesse. Alles sei modernisiert und effizienter gestaltet worden. Mit Erfolg. Man habe erheb-
liche Paarzahlzuwächse zu verzeichnen und blicke sehr zufrieden und dankbar auf das Jahr 2019 zurück – gepaart mit Vorfreude auf ein wahrscheinlich ebenfalls erfolgreiches Jahr 2020.
Der Kurswechsel im Unternehmen, das Drehen aller Stellschrauben hat viel Kraft gekostet. Und sich doch gelohnt. Die enorme Anstrengung hat sich ausgezahlt. Was sich Bernd Hummel jetzt wünscht, sind Partner. Unternehmen im Handel, mit denen man gemeinsam etwas auf die Beine stellen kann. Die an eine gemeinsame Idee glauben und bereit sind, ihren Beitrag dazu zu leisten. Die verstehen, dass Zusammenarbeit ein Geben und Nehmen ist. Und keine Einbahnstraße. Erstaunlich, dass das nach den zurückliegenden herausfordernden Jahren noch keine Selbstverständlichkeit in unserer Branche ist.