Mit einem Plus von 1,3% auf 276,8 Mio. Euro lagen die Verkaufserlöse der Hersteller im ersten Halbjahr 2022 in etwa auf der Höhe des Vorjahreszeitraumes halten. Dies gab Manfred Junkert, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Schuh- und Lederwaren-Industrie HDS/L, im Rahmen der ILM in Offenbach bekannt. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 ist der Umsatz jedoch in den ersten sechs Monaten von 2022 um 16,8 Prozent zurückgegangen.
Der deutsche Markt steht für die deutschen Lederwarenhersteller im Fokus. Hier konnten die Verkaufserlöse um 3,8% auf 201,2 Mio. Euro gesteigert werden. Rückläufig entwickelten sich die Auslandsmärkte mit einem Rückgang von 4,7% auf 75,6 Mio. Euro.
Laut den amtlichen Statistiken ist die Beschäftigtenzahl in der Lederwaren- und Kofferindustrie im ersten Halbjahr 2022 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2021 um 6,4 Prozent auf 966 Mitarbeiter gestiegen. Diese Angaben beziehen sich auf die Betriebe mit 50 und mehr Beschäftigten. Die tatsächliche Zahl der Beschäftigten in der deutschen Lederwaren- und Kofferindustrie schätzt der HDS/L mit 2.700 Personen weitaus höher.
Lederwarenindustrie: Moderate Preisentwicklung
„Die Preise haben sich moderat entwickelt“, berichtete Manfred Junkert. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind die Erzeugerpreise für Lederwaren um 3,5% gestiegen. Zum Vergleich: Die Erzeugerpreise des verarbeitenden Gewerbes insgesamt kletterten laut Verband im ersten Halbjahr 2022 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2021 um 30,5%.
Die angespannten Lieferketten und die im Vergleich zu den Vorjahren gestiegene Nachfrage wirken sich bisher kaum auf die Verbraucherpreise für die Branchenprodukte aus (Damenhandtaschen: +2,7%; Schulranzen: +2,4%; Koffer
und Reisegepäck: +4,7%).
Exporte und Importe steigen
Im ersten Halbjahr 2022 wurden Lederwaren und Koffer im Wert von 1,1 Mrd. Euro aus Deutschland exportiert (+14,3%). Die wichtigsten Abnehmerländer waren Polen, die Schweiz und Frankreich (Polen: +19,3% auf 122,6 Mio. Euro; Schweiz: +9,4% auf 106,3 Mio. Euro; Frankreich: +1,1% auf 103,7 Mio. Euro). Der Anteil der Länder der Europäischen Union am Gesamtexport betrug 59,2%.
Die Ausfuhren in asiatische Länder und in die Vereinigten Staaten entwickelten sich in unterschiedliche Richtungen. Während Zuwächse im Exportwert für die Vereinigten Staaten (+19,3% auf 58,8 Mio. Euro) und Südkorea (+34,4% auf 35,7 Mio. Euro) zu verzeichnen sind, liegen Rückgänge für China (-25,3% auf 33,8 Mio. Euro) und Japan (-5,4% auf 15,3 Mio. Euro) vor.
Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2021 ist im ersten Halbjahr 2022 der Wert der gesamten Einfuhren von Lederwaren, Koffer und Reisegepäck um ein Viertel auf 1,97 Mrd. Euro gestiegen. Diese hohen Importwerte spiegeln die stark gestiegenen Logistikkosten wider, so der Verband.
China war wie im Vorjahreszeitraum das wichtigste Lieferland Deutschlands für Lederwaren, Koffer und Reisegepäck. Der Anteil des chinesischen Importwertes am gesamten Importwert hat um fast sieben Prozentpunkte auf 43,2 Prozent zugenommen. Italien war das zweitwichtigste Lieferland (Importwert 213,2 Mio. Euro, -10,2%).
Ausblick
Mit Jahresbeginn bestand die Hoffnung auf eine Erholung des Geschäftsumfeldes, so der HDS/L. Der russische Angriff auf die Ukraine hat diese Hoffnung jedoch zunichte gemacht. So brach u.a. der Export nach Russland um 45,4 Prozent auf nur noch 7,9 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2022 gegenüber dem ersten Halbjahr 2021 ein. Der russische Angriff sorgt für dramatische Störungen in der Beschaffung von Materialien und Waren aus der Ukraine.
Die Erholung im deutschen Tourismus und im Personenflugverkehr, speziell im zweiten Quartal 2022, sorgte bei den Koffer- und Reisegepäckherstellern für eine höhere Nachfrage im Vergleich zu den vergangenen zwei Jahren. Jedoch sind in beiden Bereichen die Kennzahlen noch weit von dem Niveau vor Ausbruch der Pandemie entfernt.
Vor dem Hintergrund der steigenden Gas- und Strompreise und der Inflation gingen laut des jüngsten Ifo Konjunkturspiegels alle befragten Lederwarenhersteller von einer ungünstigen Geschäftsentwicklung in den kommenden sechs Monaten aus. Auch befürchteten die Lederwarenhersteller eventuelle Einschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, welche sich negativ auf das Geschäftsumfeld auswirken könnten. „Eine Krise jagt die nächste“, fasste Manfred Junkert die Situation zusammen.