War es manchmal schwierig, im Business mit Männern umzugehen?
In der Vergangenheit manchmal ja. Es gab einmal einen Mann, der mir eine Finanzierung durch die Bank verweigerte, als die Fabrik abgebrannt war. Ich drehte mich um und ging zur Bank gegenüber, die mir ohne Probleme eine Finanzierung gewährte. Es gibt immer Lösungen, auch wenn es so aussieht, als hätte jemand die Kontrolle über das Ergebnis Ihrer Bemühungen.
Wenn Sie heute auf jüngere Frauen-Generationen blicken: Was gefällt Ihnen besonders?
Frauen können heute jede Position einnehmen, die auch ein Mann einnehmen kann. Ich sehe eine Welt, in der unsere Frauen Unternehmerinnen, Chirurginnen, Staatschefinnen, sogar Soldatinnen werden können. Ich sehe eine Welt, in der es etwas ganz anderes ist, eine Frau zu sein, als zu der Zeit, in der ich aufgewachsen bin. Die Freiheit und die Möglichkeiten sind heute viel größer, und das beruhigt mich. Wenn ich von meiner Familie umgeben bin, die voller unternehmungslustiger und fähiger Frauen ist, habe ich ein gutes Gefühl. Die Kontinuität zu sehen, macht mich ruhig und zufrieden.
Was raten Sie jungen Frauen, die Karriere (in der Schuhbranche) machen wollen?
Ich würde sagen, dass man hart und beharrlich arbeiten muss, in jeder Branche. Es wird Momente geben, in denen Sie viele Opfer bringen müssen, aber daraus werden sich große Befriedigungen ergeben. Unsere Welt existiert schon seit langer Zeit und wartet nur darauf, dass die nächste Generation von Unternehmerinnen sie noch schöner macht. Schaffen Sie etwas Schönes, denn Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Es gibt Milliarden von Augen auf der Welt, die Möglichkeiten sind da.
Womit beschäftigen Sie sich, wenn Sie nicht arbeiten?
Ich bin viel zu Hause, wo ich dank Gott außergewöhnliche Menschen habe, die mir helfen. Ich lese Zeitung und schaue mir im Fernsehen Informationssendungen an, um mich über Dinge zu informieren, die mich interessieren. Mit einer Hilfe habe ich ein tägliches Ritual: Gymnastik, Körperpflege und Geistpflege. Ich bin umgeben von Fotos meiner Familie mit Enkeln und Urenkeln. Mit 105 Jahren ruhe ich mich aus, weil ich weiß, dass mich morgen ein schöner Stapel Rechnungen erwartet, die ich überprüfen muss. Und zum Friseur muss ich natürlich auch regelmäßig gehen.
Haben Sie ein Lebensmotto? Wenn ja, welches ist es?
Ich glaube nicht, dass ich ein richtiges Motto habe, aber ich glaube fest an die Arbeit. Die Widerstandsfähigkeit, dunkle Zeiten zu bewältigen, und das Bewusstsein, sich in guten Zeiten nicht auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Eines ist jedoch sicher: guai a chi tocca il mio Brunate.*
* Wehe dem, der mein Brunate anfasst