Die Lineapelle konnte einen Rekord verzeichnen. Mit 1.160 Ausstellern beteiligten sich mehr Firmen als je zuvor an der Farb- und Materialmesse. Rund 20.000 Fachbesucher suchten in Bologna nach den Trends für die Saison Herbst/Winter 2014/15.
Positiv wurde von den Ausstellern die wachsende Anzahl an asiatischen Besuchern bewertet. “Das zunehmende Interesse aus Asien ist ein vielversprechendes Signal für die kommenden Geschäftsjahre”, sagte Eugenio Del Vacchio von der gleichnamigen italienischen Gerberei. Aus modischer Sicht verlief die Messe verhaltener. ‘Keine Experimente wagen’ – so dürfte das Motto für die Saison Herbst/Winter 2014/15 bei vielen Hersteller lauten. Intensiv diskutiert wurden die neuen Trends auf dem Modeurop-Meeting, das traditionell am Rande der Lineapelle stattfindet – und sich mehr und mehr zur wichtigen Informationsplattform mit internationaler Beteiligung entwickelt. Designer, Trendscouts sowie Gerbereien und Spezialisten für technische Materialien nutzten die Gelegenheit zum Meinungsaustausch. Nicht nur unter dem Eindruck der Inszenierung der zentralen Trend Selection-Area auf der Lineapelle – die erstmals in dramatisches Rot gehüllt wurde – glaubt Gebhard Müller von Roeckl an eine starke Rolle der emotionalen Farbe. Ähnlich sehen es die Experten der Lineapelle: Die offizielle Farbkarte der Messe enthielt allein neun unterschiedliche Rottöne. Hinzu kommen dunkle Grün- und Blautöne. “Es sind nicht so sehr die Neutraltöne, die hier auf der Messe im Fokus stehen, die Dynamik geht von tiefen, monochromen Farbtönen aus”, so Gebhard Müller.
Back to basic
Für das Taschenlabel Jost lautet die Devise ‘back to basic’. “Nach den schwierigen Saisonverläufen werden wir auf farbliche Experimente weitestgehend verzichten. Die gingen zuletzt schief – obwohl die Farben wunderschön waren. Die vielen dunklen Farbtöne kommen uns daher sehr entgegen”, so Dietmar Jost. Ähnlich lautete die Einschätzung von Alexander Lindau, Designer bei Marc Shoes: “So schön die Farben hier auf der Messe auch sind: In den Kollektionen wird Schwarz einen großen Anteil haben.” Zustimmend berichtete Jutta Thurnwald vom Unternehmen Colortex aus Pirmasens von ihren Messeerfahrungen: “Farbe Nummer 1 wird eindeutig Schwarz sein. Es ist deutlich zu spüren, dass viele Schuh- und Taschenhersteller derzeit verunsichert sind und unter gar keinen Umständen einen Fehler machen wollen.” Ähnlich schätzt Mirco Lopardo von der italienischen Biokimica-Gruppe die Situation ein: “Die Kunden fragen – abgesehen von Schwarz – nach dunklen Farben: Bordeaux, dunkles Grün und Braun, dazu als Highlight Pfauen-Blau.”
Ein Signal der Erneuerung dürfte daher in der Saison Herbst/Winter 2014/15 in erster Linie von der Gestaltung der Oberflächen ausgehen. “Farblicher Minimalismus ist angesagt. Die Power steckt in den Materialien und Oberflächen”, ist Elisabeth Krautinger von der Kinderschuhmarke Superfit sicher. Extreme softe Materialien wie Velours und Samt rücken verstärkt in den Fokus. Hinzu kommen Effektmaterialien, die z.B. aus der Verbindung von Leder und Neopren entstehen. Ein starkes Thema sind zudem Metallics. “Gold, Silber, Kupfer und Bronze dürfen dabei aber nicht zu glatt wirken, sondern müssen antik gefinisht werden”, sagt Gebhard Müller.
Lederpreise steigen auf Rekordniveau
Für Diskussionsstoff sorgte auf der Lineapelle die Entwicklung des Preisniveaus für Leder, das mittlerweile Rekordniveau erreicht hat. Geprägt wird die Entwicklung von zwei Trends: Zum einen sinkt die weltweite Schlachtrate seit 2008 kontinuierlich. Zugleich steigt jedoch die Nachfrage nach Leder als Rohmaterial, insbesondere durch die Autoindustrie. Doch auch der Bedarf der globalen Schuhindustrie wächst: Wurden 2002 weltweit noch 2 Mrd. Paar Lederschuhe produziert, waren es 2012 3,4 Mrd. Paar – ein Anstieg um 75%. Angesichts dieser Zahlen prognostizierten Experten in Bologna, dass Lederschuhe in den kommenden Jahren mehr und mehr zum Luxusprodukt werden.