„Die Existenz vieler Unternehmen ist bedroht“
Auch aus Mainhausen kommt Kritik an den jüngsten Entscheidungen: „Die Verlängerung des Lockdowns bis mindestens zum 7. März bedeutet eine Verschärfung der finanziellen und mentalen Belastungen für den selbständigen Einzelhandel“, erklärt ANWR-Vorstandssprecher Frank Schuffelen gegenüber schuhkurier. Mit dem angestrebten Inzidenzwert von jetzt 35 sei die Latte noch einmal etwas höher gelegt worden als der bisherige Zielwert von 50. Auch stellten sich bei Erreichen dieses Zielwertes eine Vielzahl von weiteren Fragen, die keine klare Perspektive zur Öffnung der Geschäfte erkennen ließen. Zudem würde die Zuständigkeit der Öffnungsschritte auf die Bundesländer verlagert, was eher für eine regionalen Flickenteppich sprechen würde. „Neben der fehlenden klaren Öffnungsstrategie wurde das niedrige Infektionsrisiko auf den Ladenflächen bei sachgerechter Umsetzung der Hygieneregeln im Einzelhandel nicht berücksichtigt“, so Schuffelen weiter. „Die Existenz vieler Unternehmen ist aktuell massiv bedroht. Die Händler müssen neben den laufenden Verpflichtungen zusätzlich die aktuelle Frühjahr-/Sommer Ware bezahlen, die derzeit zur Auslieferung bereitsteht. Deswegen sollten die Voraussetzungen für eine Erweiterung der Höchstgrenzen für den KfW-Schnellkredite und eine unbürokratische Möglichkeit einer höheren Inanspruchnahme der KfW-Kreditprogramme geschaffen werden. Daneben erwarten wir, dass dem Versprechen, die Überbrückungshilfe III schnell auszuzahlen, umgehend Taten folgen.“
Im Schuh-, Sport- und Modehandel würde zwischen Januar und März gut ein Drittel des Wareneingangs der Frühjahrsware ausgeliefert. „Die Zahlung dieser Lieferungen verschiebt sich in diesem Jahr, durch die Gewährung von Zahlungszielen, überwiegend in den März. Mit jeder Verlängerung des Lockdowns steigt die Unterdeckung und Belastung der Liquidität in Höhe des fehlenden Umsatzes“, betont Schuffelen.
„Uns war klar, dass der Lockdown verlängert wird. Wir gehen sogar von Ostern aus. Über jeden Tag, den wir früher öffnen dürfen, freuen wir uns natürlich“, sagt Cornelius Schnabel vom Schuhhaus Schnabel in Lüneburg. Der Lockdown light im November habe gezeigt, wie sehr die Gastronomie zum Shoppen gehört. „Es wurden Bedarfskäufe erledigt, aber der so wichtige Shopping-Kunde blieb zuhause. Das darf im Frühjahr nicht schon wieder passieren. Wenn wir öffnen dürfen, dann bitte mit der Gastronomie“, so Schnabel weiter. Da sein Unternehmen in den letzten Jahren stark auf online gesetzt habe, würden es gut durch die Krise kommen. Cornelius Schnabel: Die Shopping-Welt wird sich weiter verändern. Wir sind dabei, auch mit der Stadt neue Konzepte für die Zukunft zu entwickeln. Denn einfach Ware in die Läden zustellen, wie es die Großfilialisten tun, und warten bis der Kunde kommt, das läuft nicht mehr. Wir müssen mehr bieten, um ein Gegenpool zum Online-Handel zu sein, damit beides funktioniert. Ich freue mich auf unsere Kunden und die Messen im Herbst, damit wir endlich auch viele Kollegen und Hersteller wiedersehen können. Der persönliche Kontakt fehlt uns sehr.“
Auch auf Seiten der Industrie sorgt die Lockdown-Verlängerung für Kritik.„Die Stimmung im Handel ist total im Keller. Auch für die Unternehmen, die in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet haben, wird es nun kritisch. Viele haben Angst um ihr Lebenswerk. Die Kritik an den politischen Entscheidungen nimmt immer mehr zu. Auch mir fehlt die logische Begründung der Maßnahmen“, sagt Christoph Gessner, Geschäftsführer von Tom Tailor-Lizenznehmer Supremo. Es werde aktuell gefühlt mit zweierlei Maß gemessen. Der Schuhhandel habe im Sommer und Herbst intensiv in Schutz- und Hygienemaßnahmen investiert. Es sei nicht nachzuvollziehen, warum es nicht möglich sein sollte, unter Beachtung aller Vorgaben die Läden zu öffnen. Zumal nun sogar die Friseure wieder öffnen können. „Aber das Infektionsrisiko dürfte beim Friseur deutlich höher sein als im Schuhhandel. Es ist bitter, dass nun die dritte Saison in Folge betroffen ist. Dabei hätte in den vergangenen Monaten das Wetter endlich mal wieder perfekt gepasst. Ich drücke allen stationären Händler die Daumen, dass sie bald wieder Schuhe verkaufen können. Die aktuelle Lage tut auch uns als Lieferant weh. Wir müssen alle an einem Strang ziehen, um diese Krise zu bewältigen“, so Gessner.