Der Mode- und Schuhkauf steht bei vielen Herren nicht ganz oben auf der To-Do-Liste. Die meisten Männer gelten in modischer Hinsicht als eher bequem und wenig experimentierfreudig. Passt ein Schuh, wird er so lange wie möglich getragen und, wenn Ersatz benötigt wird, das bewährte Schuh-
modell gern erneut gekauft. Ein Blick auf die Füße von am Flughafen oder auf dem Bahnsteig Wartenden zeichnet ein eindrucksvolles Bild.
Corona sorgte für geschlossene Büros; gearbeitet wurde daheim in Joggpants. Der Siegeszug der Sneaker, schon vor der Pandemie begonnen, setzte sich dadurch weiter fort. So gut wie niemand brauchte mehr klassische Herrenschuhe – keine Geschäftsreisen, keine Meetings, kein klassisches Outfit. Wenn etwas verkauft wurde, dann Freizeitschuhe oder Outdoormodelle. Davon weiß auch der Schuhhändler Bernd Frölich aus Duderstadt zu berichten. Er hat vor wenigen Wochen seinen in Göttingen ansässigen Herrenschuhladen geschlossen – nach 25 Jahren. Das Haus habe sich nach der Corona-Pandemie nicht recht erholt, sagt der Unternehmer. „Wenn Männer in Adiletten im Home Office vor dem Rechner sitzen, wird es für klassische Herrenschuhe schwierig.“ Ohnehin sei das Brown Shoe-Segment mehr und mehr den Sneakern gewichen. Das spiegelt sich in den Rankings der Verbundgruppe ANWR wider: Die Topmarken der Online-Plattform www.schuhe.de sind im Herrenbereich Rieker, Bugatti und Lowa – Anbieter also, die eher mit Casual-Schuhen antreten. Es folgen die Sportartikelhersteller Nike und Adidas und erst auf Platz 6 mit Lloyd ein Unternehmen, das auch für den klassischen Herrenschuh steht. Beim jüngsten Lieferantenranking der ANWR, veröffentlicht im August 2022, liegt ebenfalls Rieker vorn. Lloyd kommt auf den 18. Platz.