Die Fachvorstände der Schuh- und der Lederwarenindustrie im HDS/L haben Anfang des Jahres einen “Code of Conduct” verabschiedet. Manfred Junkert, Hauptgeschäftsführer des HDS/L, wird die Idee und Inhalte im Rahmen des Marktgesprächs vorstellen.
Der Code of Conduct orientiert sich an den zehn Prinzipien des UN Global Compact (www.unglobalcompact.org). Diese decken die Themen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung ab. Außerdem werden die Bereiche Arbeitsschutz und Kartellrecht berücksichtigt.
Der HDS/L empfiehlt den Unternehmen beider Branchen, diesen Code für das eigene Handeln anzuerkennen und im eigenen geschäftlichen Betrieb umzusetzen. “Wir möchten mit dieser Maßnahme vor allem kleine und mittlere Unternehmen unterstützen, denen eigene Kapazitäten zur Ausarbeitung fehlen”, erläutert Hauptgeschäftsführer Manfred Junkert die Gründe, die unter anderem zur Erstellung des Code of Conduct geführt haben.
Der Code of Conduct steht unter www.hds-schuh.de/PDF/coc-hds-de.pdf zum Download zur Verfügung.
LR: Frau Bauer, Vaude will bis 2015 Europas nachhaltigstes Outdoor-Unternehmen werden. Wie viel Prozent der Strecke haben Sie bereits zurückgelegt?
Julia Bauer: Wir haben bereits einen guten Teil der Strecke zurückgelegt. Das werden wir auch anhand des Standards der Global Reporting Initiative (GRI, siehe Kasten) messbar machen, um auch den Vergleich zu anderen Unternehmen zu ermöglichen. Was unsere eigenen Kennzahlen angeht, sind wir an vielen Punkten schon sehr weit, so sind zum Beispiel unser kompletter Standort in Tettnang und alle dort hergestellten Produkte zu hundert Prozent klimaneutral. Unser Fokus liegt momentan auf unserer Green Shape Kollektion, das sind die am umweltfreundlichsten hergestellten Produkte von Vaude, denen sehr klare Kriterien zu Grunde liegen. Bis 2015 sollen 80 Prozent unserer Bekleidungskollektion Green Shape sein. Generell wollen wir in all unseren Handlungsfeldern so nachhaltig wie möglich sein. Das bedeutet für uns, Maßnahmen für Mitarbeiter, am Firmenstandort, in unserem Umfeld, sowie bei unseren Handelspartnern, dem Kunden und bei den Produzenten zu definieren und umzusetzen.
LR: Warum hat Vaude diesen Weg eingeschlagen?
Bauer: Vaude hat bereits eine lange Historie in Sachen Nachhaltigkeit. So haben wir bereits 1994 das Ecolog Recycling Netzwerk gegründet und waren der “grünen Welle” in der Outdoor-Branche damals weit voraus. Natürlich werden wir auch weiterhin Vorreiter bleiben. Unsere Produkte werden für den Einsatz in der Natur hergestellt. Da ist es naheliegend, dass wir wissen, was es dort zu wahren gilt. Außerdem ist Vaude ein Familienunternehmen. Unsere Geschäftsführerin ist selbst Mutter von vier Kindern und nimmt ihre Verantwortung für die kommenden Generationen sehr ernst.Darüber hinaus nimmt auch das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu, unter anderem durch die Berichterstattung von Medien und durch immer neue Gesetzgebungen. Ich halte es daher für eine sehr riskante Strategie, die Augen zuzumachen und sich nicht mit einer nachhaltigen und fairen Produktionsweise auseinanderzusetzen. Dem Handel, der ja dem Endverbraucher direkt gegenübersteht, gibt es natürlich auch Sicherheit, mit einem Partner wie Vaude zu kooperieren.
LR: Viele Lederwarenunternehmen gehen das Thema noch nicht strategisch an. Wie sieht der erste Schritt aus?
Bauer: Die Thematik lässt sich in drei Bereiche gliedern, die durchleuchtet und analysiert werden müssen: die Materialbilanz der Produkte, die internen Unternehmensprozesse und die Lieferantenkette. Ein gutes Tool zur internen Etablierung dieser Aspekte ist sicher ein umfassendes Umweltmanagementsystem (EMAS), das fest in der Unternehmensorganisation verankert ist. Hier werden Verantwortlichkeiten sowie Verhaltens- und Verfahrensweisen festgelegt, Ziele vereinbart und die entsprechenden Maßnahmen getroffen. Aus unserer Sicht ist es nicht verantwortlich, zum Start lediglich einzelne Linien auf “ökologisch” zu trimmen und entsprechend zu vermarkten. Das sind plumpe “Greenwashing”-Kampagnen, die heutzutage im Übrigen auch von Verbrauchern durchschaut werden.
LR: Wie sehen sinnvolle Ziele aus?
Bauer: In der Produktion geht es häufig zunächst um die Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte gemäß Reach-Verordnung und deren Nachweis. Bei Vaude wollen wir aber mehr tun als gesetzlich vorgeschrieben. Wir arbeiten daher eng mit Nicht-Regierungs-Organisationen wie Bluesign, dem WWF oder auch der Fairwear-Foundation zusammen. Schließlich wollen wir nicht nur möglichst ökologisch, sondern auch zu fairen Sozialbedingungen fertigen.
LR: Am Ende des Tages leben auch Sie vom Verkauf. Wird Ihr Engagement von den Verbrauchern honoriert?
Bauer: Wir müssen schwarze Zahlen schreiben, ohne Frage. Unsere CSR-Entscheidungen müssen daher immer wirtschaftlich vertretbar sein. Ebenso darf die Funktionalität unserer Produkte nicht auf der Strecke bleiben: Wir handeln daher grundsätzlich nach dem Motto: “performance meets ecology”. Was unsere Green Shape Kollektion anbelangt, freuen wir uns natürlich doppelt, wenn sie auf dem Markt gut ankommt: Aus wirtschaftlicher Sicht, aber auch, wenn wir Kunden dazu motivieren konnten, eine nachhaltige Entscheidung zu treffen. Wir sind der Meinung, dass der Endverbraucher bei seinen Entscheidungen heutzutage immer kritischer wird, und das ist gut so.
LR: Vielen Dank und wir freuen uns auf Sie am 15. Mai in Offenbach.