“Die Digitalisierung wird unsere Branche nachhaltig verändern.” Zum Einstieg in das Marktgespräch zeigte Günter Althaus, Vorstandsvorsitzender der ANWR Group, auf, wie tiefgreifend die Digitalisierung Handel, Industrie und Verbundgruppen verändern wird. Die mit dem Online-Handel verbundenen Themen sind für Althaus dabei nur ein Teilaspekt. Click & Collect, die Möglichkeit der Online-Reservierung oder die Sichtbarkeit im Netz würden zu Grundvoraussetzungen, die jeder Händler künftig abbilden müsse. “Es ist richtig, dass der klassische Handel hier nachlegen muss. Das sind aber nicht die Herausforderungen.”
Althaus treiben stattdessen die Veränderungen der Informations-, Kommunikations- und Produktionsprozesse um. Über den Geschäftserfolg entscheide künftig die bestmögliche Verfügbarkeit über die Kundendaten. Alleine könne das kein einzelner Händler leisten. Als eine Herausforderung bezeichnete Althaus daher die “branchenübergreifende Verknüpfung” von Daten.
Ein weiteres Thema: die Preisfestsetzung. Es sei ein “Riesenfehler”, dass der stationäre Händler von einmal gesenkten Preisen nie wieder weg komme. “Die Online-Freunde machen das dagegen permanent.”
Die “vielleicht schwierigste” Aufgabe sei die Qualifikation und Flexibilität der Mitarbeiter. Aktuell analysiere die ANWR daher deren “digitale Reife”. 2016 sei jetzt das Auftaktjahr auf dem Weg in die Digitalisierung.
Digitale Regalverlängerung
Dr. Joachim Stoll, Inhaber von Koffer24 und BLE-Präsident, gab zudem einen Überblick über die digitale Regalverlängerung über Storeplus. Angesichts rückläufiger Kundenfrequenzen sei die Vermeidung von Leerverkäufen eines der Hauptziele der Zusammenarbeit über Storeplus. sind Derzeit sind 60 Lederwaren- und 40 Modehändler angeschlossen.
Nicht nur der Lederwaren, sondern der gesamte Einzelhandel stehen angesichts der Herausforderungen wohl erst am Anfang der Digitalisierung. Dies zeigte sich in der Diskussion. Werbegemeinschaften könnten sich nicht auf eine gemeinsame Online-Präsenz einigen, Händler eines Straßenzugs nicht auf einen Provider für ein freies WLAN – und manchmal müsse überhaupt erst einmal dafür gesorgt werden, dass Kunden auch im Untergeschoss einen guten Handy-Empfang haben. “Eine Katastrophe”, so Joachim Stoll.