Welche Veränderungen haben Sie seit Corona wahrgenommen?
Marlies Hüser: Kleinkinder sind deutlich ängstlicher geworden. Corona scheint ganz viel mit Kindern zu machen. Bei den älteren Kindern ist das kein Problem, aber bei den kleinen gibt es eine deutliche Hemmschwelle, wenn Menschen mit ihnen agieren. Da hat Corona was bewirkt. Wir hoffen, dass sich das bald wieder ändert. Die spannende Frage wird auch sein, wie lange Kinder noch Masken tragen müssen.
Wie läuft das Geschäft aktuell?
Marlies Hüser: Es läuft wieder richtig gut, seitdem wir nicht mehr die Beschränkungen haben, dass wir nach Impfausweisen oder negativen Tests fragen müssen. Seitdem Test & Meet und Click & Meet vorbei sind, haben wir wieder sehr gute Frequenz im Laden. Die Kunden suchen vor allem nach Wanderschuhen. Es ist auffällig, wie stark der Outdoor-Bereich derzeit zulegt. Sommerschuhe werden auch nachgefragt. Bei uns in Nordrhein-Westfalen sind derzeit Sommerferien und viele Familien fahren tatsächlich in den Wanderurlaub nach Österreich, in den Schwarzwald oder in den Taunus.
Thomas Hüser: Wir haben das auch bei Instagram und Facebook wahrgenommen. Die Postings unserer Kunden zeigen, dass sie jetzt draußen sind, auch regional. Da sind jetzt Menschen unterwegs, die vorher nicht wanderten. Das liegt wohl auch an den Beschränkungen, die es Anfang des Jahres noch gab. Die Leute haben Lust sich etwas Gutes zu tun und wollen kaufen.
Marlies Hüser: Das letzte Vierteljahr ist für uns als Händler sehr beruhigend. Diese verzweifelte Stimmung von Dezember, Januar und Februar hat sich in eine Zuversicht gewandelt.
Wird es im Herbst einen erneuten Lockdown geben? Wie wird sich der Herbst für den Schuhhandel gestalten?
Thomas Hüser: Nach dem Lockdown ist vor dem Lockdown. Ich habe die Sorge, dass keine neuen Konzepte entwickelt werden, sondern die Notbremse aus der Schublade gezogen wird. Wir werden vermutlich nicht über neue Ansätze oder Strukturen reden. Es hängt wohl vieles vom Impffortschritt ab, der aber aktuell zu stocken scheint. Deshalb bin ich jeder Initiative dankbar, die sich für den Handel einsetzt. Als Beispiel möchte ich da die Verfassungsklage der ANWR nennen, die dafür sorgen soll, dass sich in den Strukturen und Konzepten endlich etwas ändert.
Was sollten Händler jetzt machen, um für einen zweiten Corona-Herbst fit zu sein?
Marlies Hüser: Wir denken, dass man als Händler ein gutes Termin-Tool benötigt, wenn wir mit Einschränkungen öffnen dürfen. Dieser Service eine große Hilfe, aber das sollte jetzt schon installiert und gut geprobt sein. Aktuell läuft es bei uns nebenher, aber wir gehen fest davon aus, dass wir es im Herbst wieder zwingend brauchen werden.
Thomas Hüser: Wichtig ist vor allem, dass man das Tool sowohl offline, also im Telefondienst, als auch online füllen kann. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Kunden es auch ohne explizite Werbung annehmen und nutzen. Die Leute haben sich daran gewöhnt. Wir machen auch jetzt noch darüber Termine, obwohl die Menschen auch ohne kommen können.
Marlies Hüser: Im Kinderbereich ist die Terminbuchung deshalb so hilfreich, weil die Kunden keine Wartezeiten haben. Wer einen Termin gebucht hat, ist auch dran. Das kommt besonders bei Eltern mit kleineren Kindern gut an, die dadurch längere Wartezeiten und somit Stress vermeiden können. Wenn wir im Schnitt acht Verkäuferinnen auf der Fläche haben, sind immer zwei nur für die Termine da, wenn wir mehr Termine haben, natürlich entsprechend mehr. Es ist einfach ein netter Zusatz für die Eltern.
Thomas Hüser: Die Mütter genießen das geradezu und nutzen es auch gerne weiter. Auch dass sie dann persönlich und entspannt von unseren Verkäuferinnen beraten werden können. Und uns tut es gut, weil wir viel besser planen können. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Sich jetzt zurückzulehnen und zu sagen, dass die Pandemie vorbei ist, wäre ein Fehler. Man sollte die Lehren aus den vergangenen Lockdowns gezogen haben und nun in der Lage sein, rasch den Hebel umzulegen, um schnellstmöglich wieder startklar zu sein. Man sollte die Zeit nutzen, um ein Basis-Set aufzubauen. Wir suchen beispielsweise aktuell nach einem Tool, mit dem wir unsere Kommunikationswege schlank im Blick behalten können.