In den USA ist Mephisto bekannt dafür, von vielen Schauspielerinnen und Schauspielern getragen zu werden. In Deutschland hat Mephisto bei vielen ein eher altbackenes Image.
Einer erzählt etwas, was der Nächste übernimmt. So entstehen solche Erzählungen. Wir haben eine klare Philosophie. Wir wollen keine Mode machen, sondern moderne Schuhe. Wir wollen keine Schuhe designen, die nur einen Trend bedienen und nach wenigen Monaten nicht mehr getragen werden. Die Schuhe sollen zeitlos und bequem sein, damit sie lange getragen werden.
Ärgert Sie es, wenn so ein Image entsteht?
Nein, es schadet uns nicht. Zumal alles wieder zurückkommt. Es gibt viele Beispiele dafür, dass ein Stil als altmodisch gilt und auf einmal wieder von der Jugend getragen wird. Es werden nicht immer weiße Turnschuhe im Trend liegen. Und selbst wenn ein Schuh als altbacken daherkommt: Wenn er so erfolgreich ist, dann haben wir alles richtig gemacht.
Wie oft sind Sie noch im Büro und in welchen Prozessen sind Sie heute noch involviert?
Ich bin an drei Tagen im Monat im Büro und habe meine Hände überall mit drin. Das geht als Gründer gar nicht anders. Ich rede bis heute mit, wenn es um die Möbel in den Mephisto-Geschäften geht, und entwerfe manchmal in der Nacht Schuhe, bin viele Stunden am Tag im Homeoffice.
Sie waren dieses Jahr auch auf der Barefoot in Offenbach und haben sich die Barfußschuhe angesehen. Was halten Sie von dem Segment?
Ich wollte mir einmal Orientierung verschaffen, aber ich werde so keine Schuhe machen. Barfußlaufen ist gesund und die Idee, den Fuß dabei zu schützen, ist eine gute. Aber wir wollen nicht als einer von vielen auf dieses Thema springen.
Wieso machen Sie das alles mit 89 Jahren noch?
Ich kann nicht anders. Natürlich genieße ich mein Leben. Aber nichts zu tun, würde ich nicht hinbekommen. Ich habe eine Zeit lang versucht, mich mehr zurückzuziehen. Aber mir hat etwas gefehlt. Das hier ist mein Hobby. Man kann sogar sagen, dass diese Arbeit mein Leben ist.
Da muss es Ihnen schwergefallen sein, überhaupt die operative Leitung abzugeben. Wie ist das abgelaufen?
Ich hatte einen Bewerber eingesetzt, mit dem es nicht wirklich funktioniert hatte. Einer meiner Vertreter hat mir dann Frank Weber vorgeschlagen, weil er genau wusste, dass er zu mir passen würde. Er kannte mich und hatte Recht. Weber kommt auch aus der Fertigung und wir sprechen dieselbe Sprache. Ich habe vom ersten Tag an gemerkt, dass ich ihm vertrauen kann. Das hat geholfen, die Verantwortung abzugeben. Nach 30 Jahren im Unternehmen ist nun auch Herr Weber im Rentenalter. Vor diesem Hintergrund suchen wir nach einem geeigneten Nachfolger, um eine geordnete Übergabe der Geschäftsführung sicherzustellen.