Den Besuchern der Moda made in Italy bot sich zunächst ein ungewohntes Bild. Die Halle im Erdgeschoss des MOC blieb erstmals geschlossen, alle Aussteller waren in der ersten Etage untergebracht. Rund um das zentrale Atrium waren auch die Showrooms belegt. Die neue Struktur sorgte für eine komprimierte Übersicht und einen verbesserten Lauf, führte jedoch auch vor Augen, wie stark die Veranstaltung des italienischen Schuhherstellerverbands Assocalzaturifici geschrumpft ist. Rund 60 Aussteller beteiligten sich noch an der März-Messe. Gegenüber schuhkurier signalisierten zudem mehrere Unternehmen ihr Interesse daran, künftig auf die Essenz zu wechseln, die wie gewohnt zeitgleich auf der gegenüberliegenden Straßenseite stattfand.
Eine anstrengende Orderrunde
So unterschiedlich die beiden Messen sind, so verschieden wurde auch die Orderrunde insgesamt von den Ausstellern beider Veranstaltungen beurteilt. So war etwa Ger Boekhoorn von Lamica, der auch auf der Moda made in Italy präsent war, mit dem Gesamtverlauf zufrieden. „Die Situation in der Branche ist schwierig, aber die Händler haben im Einkauf mutiger als in vorherigen Saisons agiert. Das ist eine positive Entwicklung.“ Valentina Capretta von Nero Giardini bewertete die zurückliegenden Wochen als „anstrengend“. Doch die Mühe habe sich gelohnt. Vor allem die gute Umsatzentwicklung im Februar habe einen dringend benötigten, positiven Schub gegeben. Die Marke aus Italien wird die Saison mit einem kleinen Plus abschließen. „Damit können wir angesichts der generellen Entwicklung zufrieden sein“, so Valentina Capretta.
Bremse oder Vollgas?
Positiv fiel auch das Fazit von Katja Kerstein aus. „So viele neue Themen gab es selten“, so die Expertin von der Rexor. „Wes-tern, Hiking, Animal Prints, weiße Boots, neue Farben – an Innovationen herrscht kein Mangel.“ Jetzt, so Kerstein weiter, komme es auf die Kunst der Einkäufer an, diese Themen richtig zu gewichten und Akzente zu setzen, um die vorhandenen Bestände „aufzuhübschen“.
Svenja Glathe und Jens Große-Kreul aus Gladbeck haben sich dieser Ausgabe mit großem Engagement gestellt. „Wir sind zwar auf die ’Limitbremse‘ getreten, haben dafür in der Sortimentszusammenstellung Vollgas gegeben und besonders viele Kollektionen gesichtet“, so das Händler-Ehepaar gegenüber schuhkurier. Beide setzen unter anderem auf ein Nachlassen des Sneaker-Hypes. Verstärkt würden wieder Kundinnen in das Geschäft kommen, die als Alternative zu Sneakern nach „richtigen Schuhen“ suchen würden. Keinesfalls, so Jens Große-Kreul, sei es in der aktuellen Marktlage jedoch richtig, sich zurückzuziehen und Messen zu meiden. „Das kann nicht der richtige Weg sein“, so der Händler aus dem nördlichen Ruhrgebiet.
Stillstand oder Veränderung?
Ob die beiden mit diesem Engagement die Regel oder die Ausnahme sind – darüber schieden sich in München die Geister. „Es herrscht Stillstand“, erklärte etwa Friedel Lüning von Apple of Eden. „Es fehlt der echte Wille zur Veränderung.“ Die Verbraucher seien satt, so Lüning. Angesichts dieser Ausgangslage müssten den Kunden neue Anreize geboten werden. Friedel Lüning „Eines steht fest: Am Angebot mangelt es nicht.“ Es gebe Wege aus der Vergleichbarkeit, sagte Nicola Iammarrone, der unter anderem mit No Claim auf der Essenz ausstellte. „Aber der Handel muss diese Angebote auch nutzen – und nicht weiterhin auf Lieferanten setzen, die in jedem zweiten Geschäft stehen“, so Iammarrone weiter. Es stünden grundsätzliche Entscheidungen darüber an, auf welche Partner die Händler künftig setzten. Ganz ähnlich bewertet Andrea Ristow die aktuelle Lage. Die Geschäftsführerin der Essenz sieht vor allem in individuellen Sortimenten großes Potenzial. „Wer hier über unsere Messe sieht, der erkennt, wie bunt und vielfältig die Schuhbranche ist. Das Angebot macht Lust auf die kommende Saison. Ich würde mir wünschen, dass sich diese Bandbreite in Zukunft stärker in den Geschäften wiederfindet.“