Internationales Publikum
Die Stimmung bei den Ausstellern war gemischt. Und damit war die Micam ein Spiegel des Marktes, der zurzeit mit zahlreichen Herausforderungen zu kämpfen hat – vor allem in Deutschland, aber auch international. Als erfreulich empfanden die Lieferanten die Internationalität der Messe: „Wir haben Kunden aus Israel, Indonesien, Kanada und Fernost bei uns begrüßt“, erklärte Martina Denkstein (Alma en Pena, Wonders). Die Messe sei gut verlaufen, man habe kontinuierlich Kundengespräche geführt. Karim Choukair (Melvin & Hamilton) hätte sich indes mehr Aussteller und Besucher gewünscht. „Es war auffällig, dass viele italienische Lieferanten fehlen“, so der Unternehmer. Größere Freiflächen, in denen Lounge-Areas eingerichtet worden waren, zeugten von dieser Entwicklung. Auch im Hinblick auf die Besucher sei die Messe eher etwas ruhiger gewesen. „Für uns war die Micam unterm Strich nicht schlecht. Wir konnten viele Wiederkehrer begrüßen, Kunden also, die nach Corona-bedingter Auszeit wieder ordern wollten. Was aber fehlte, waren Neukunden, die mal eine andere Marke ausprobieren wollen.“
Auch aus Sicht von Andreas Klautzsch (Kennel & Schmenger) war die Micam im Februar deutlich schwächer besucht als vorherige Veranstaltungen. Vor allem der Sonntag, traditionell gut besucht, sei durch geringeres Besucheraufkommen aufgefallen. „Wir waren jeden Messetag durchterminiert und haben daher eine erfolgreiche Micam erlebt“, so Klautzsch. Insgesamt habe die Messe aber einen ruhigeren Eindruck gemacht als gewohnt. „Für uns ist sie wichtig, weil sie die einzige Messe ist, die uns Zugang zu Exportmärkten ermöglicht. Wenn wir nicht auf der Micam ausstellen würden, wäre dieser Zugang deutlich schwieriger.“ Andreas Schaller (Lloyd) sieht die Messe ebenfalls als Abbild einer sich verändernden Branche.
Der Sonntag war gut, der Montag auch – bis 16 Uhr. Dienstag und Mittwoch waren sehr schwach besucht.“ Man müsse überlegen, ob eine Messe mit vier Tagen Laufzeit noch zeitgemäß sei – der erhebliche Besucherschwund im Vergleich zur Vorjahresveranstaltung sei ein deutliches Zeichen. „Man sollte nicht mit aller Gewalt am gewohnten festhalten, wenn sich ein Markt verändert. Die Micam umfasst weniger Hallen, man sieht die Freiräume und nimmt die geringeren Besucherzahlen wahr“, so Schaller auch mit Blick auf den September, wo die Messe zu einem späteren Zeitpunkt in der Orderrunde stattfinden wird: „Dann ist die Saison fast gelaufen.“ International aufgestellte Marken sehen aktuell positive Entwicklungen in verschiedenen Märkten, darunter vor allem die USA. Sorge bereitet vielen der deutsche Markt, wo sich der Handel schwer tut und die Nachfrage sowohl bei Verbrauchern als auch bei Händlern hinter den Erwartungen zurück bleibt. Bedenklich fanden einige Unternehmen, dass die Atlanta Shoe Fair fast parallel zur Micam stattfand. Dadurch seien weniger US-amerikanische Händler nach Italien gekommen. Giovanna Ceolini, Vorsitzende von Assocalzaturifici und Micam, zeigt sich von der Kraft der Micam überzeugt: „Die Qualität und der Erfolg einer Messe lassen sich an zwei Maßstäben messen: ihrer Berufung, Innovationen zu kreieren, und ihrer Fähigkeit, Fachleute aus der ganzen Welt anzuziehen. Zusätzlich zu diesen beiden Variablen setzt die Micam auch einen Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und bietet eine Gelegenheit zur Wissensvermittlung. Die Veranstaltung im Februar ist nicht nur eine Art jährlicher Check-up für die Schuhbranche, sondern auch eine unverzichtbare Gelegenheit, die Trends in einem Sektor mit einem Wert von über 14 Mrd. Euro und mit mehr als 72.000 Beschäftigten zu sehen, die das Rückgrat der italienischen Fertigungsindustrie bilden.“
Zufriedenes Fazit
Wie die Veranstalter der Micam nach vier Messetagen meldeten, sind zu den vier Mailänder Messen (Schuhmesse Micam, Lederwarenmesse Mipel, Modemesse The One Milano und Schmuckmesse Fashion & Jewels) vom 18. bis 21. Februar 2024 insgesamt 40.821 Besucher gekommen. Auch wenn der Wert niedriger ist als vergangenen Sommer, als 42.273 Menschen dem Ruf nach Mailand folgten, konnten laut den Organisatoren für einige Herkunftsländer Besucherrekorde aufgestellt werden. Fast die Hälfte – 45% der Besucher – waren aus dem Ausland nach Italien gereist. Aus der EU insgesamt sowie aus Frankreich, Deutschland, Spanien und Griechenland seien mehr Händler und Einkäufer als je zuvor angereist, meldet der Schuhhersteller-Verband Assocalzaturifici. Betont wurde dabei, wie bereichernd die gemeinsame Ausrichtung der vier parallel stattfindenden Messen sei. So biete sich die Gelegenheit, neben Schuhen auch Mode- und Schmucktrends zu sichten und die Materialien und Farben für die übernächste Saison. 923 Marken, darunter 464 aus Italien und 459 aus dem Ausland – hauptsächlich aus Spanien, der Türkei, Brasilien, Deutschland und Portugal – zeigten auf der Micam ihre Kollektionen.