Neben Gesprächsrunden über Liefer-ketten und Sozialstandards kam auch die CADS-Arbeitsgruppe Chemie während der hauseigenen Tagung in der Frauenhofer Umsicht in Oberhausen zu Wort. So klärte beispielsweise Dr. Jochen Ammenn von Stahl Chemicals Germany GmbH über Melamine und Bisphenole auf. Melamine, so nachhaltig sie auch sein mögen, wirken sich beispielsweise äußerst gesundheitsschädigend auf den Menschen aus, sodass Melamine als SVHC (Substance of very high concern – Besonders besorgniserregende Stoffe) gekennzeichnet wurden. Auch bei Bisphenolen, die ebenfalls auf der Liste vorzufinden sind und in der Schuhproduktion unter anderem als Klebstoff Verwendung finden, werden Reglementierungen besprochen – hier fehle es jedoch an einem ausreichenden Ersatz. Als Leiterin der Arbeitsgruppe Chemie veranschaulichte Dr. Ines Anderie gemeinsam mit ihrem Kollegen Dr. Christian Achtel vom PFI in Pirmasens, wie mit gesetzlich reglementierten Substanzen umgegangen wird. Hierfür fertigt die CADS-Arbeitsgruppe seit Jahren eine RSL, eine Restricted Substance List, an, also eine Liste der eingeschränkten Stoffe. Diese Liste wird gemeinsam von Laboren und Unternehmen, die für CADS relevant sind, erstellt und orientiert sich dabei an den gesetzlichen Vorgaben – und geht teilweise auch darüber hinaus.
Eine zusätzliche Projektgruppe „Methode“ innerhalb der Arbeitsgruppe gewährleistet dabei, dass die verschiedenen Prüfstellen auch mit denselben Methoden arbeiten. Nur dadurch können auch gleiche – und damit seriöse – Ergebnisse erzielt werden. Doch weshalb ist eine solche RSL bei CADS überhaupt notwendig? Achtel führt die Begründung auf die verschiedenen Materialien eines Schuhs zurück. Die Vielfalt an Materialien, von denen jedes einzelne mit eigenen Prozesschemikalien einhergeht, die verarbeitet werden, wartet mit unüberschaubaren Schadstoffen auf. Dadurch ergab sich die Notwendigkeit einer Arbeitsgruppe Chemikalien bei CADS. Schließlich listete die Arbeitsgruppen-Leiterin Anderie die Prozesse und Erfolge der letzten Jahre auf. Allem voran legte sie den Weg zur aktuell geplanten Regulierung von PFAS-Chemikalien dar. Diese Per- und polyfluorierten Chemikalien wurden jahrelang ohne Bedenken genutzt, bis bei Bergen, Flüssen und Äckern nach einiger Zeit eine starke Verschmutzung durch die Chemikalien festgestellt werden konnte. Betroffen sind dabei vor allem die größeren Substanz-Verkettungen, eine Beschränkung für kleinere Verkettungen sei bereits in Planung. Weitere Punkte waren beispielsweise der Umstieg einer Prüfmethode, weg von einer Methanolextraktion. Diese konnte beispielsweise Polymere nicht nachweisen und dementsprechend prüfen. Dafür setzt die Arbeitsgruppe Chemie nun auf die alkalische Extraktion, die deutlich häufiger anschlägt – und damit die Prüfprozesse der RSL um einen weiteren Schritt optimiert.