Der deutsche Mittelstand wartet weiter auf den wirtschaftlichen Aufschwung. Das zeigt die Herbstumfrage 2026 der Creditreform Wirtschaftsforschung unter rund 1.200 kleinen und mittelgroßen Unternehmen: Die aktuelle Geschäftslage werde weiterhin mehrheitlich negativ bewertet. Der Creditreform Geschäftsklimaindex stieg lediglich von plus 0,1 auf plus 1,1 Punkte. „Deutschland lebt derzeit von der Hoffnung. In der Realität der allermeisten Unternehmen aber sind die Belastungen weiterhin zu hoch und die Insolvenzzahlen steigen“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung.
Auch bei den Auftragseingängen ist demnach bislang kaum Belebung erkennbar. 20,2 % der Unternehmen meldeten einen Anstieg, im Vorjahr waren es 21,5 %. Von rückläufigen Aufträgen berichteten 26,4 % der Befragten nach 27,6 % im Vorjahr. Lediglich im Verarbeitenden Gewerbe hat sich die Auftragslage verbessert.
Für das kommende halbe Jahr rechnen die Unternehmen wieder mit einer besseren Auftrags- und Umsatzlage. Besonders ausgeprägt ist die Zuversicht im Verarbeitenden Gewerbe. Hohe Energiepreise und eine schwache private Nachfrage bremsen den Optimismus jedoch weiterhin. Creditreform fordert daher strukturelle Verbesserungen wie wettbewerbsfähige Energiepreise und Bürokratieabbau.
Deutlich gesunken ist die Investitionsbereitschaft. Nur 37,3 % der befragten Mittelständler planen derzeit ein Investitionsvorhaben – so wenige wie seit 20 Jahren nicht mehr. Im Vorjahr lag der Anteil bei 43,5 %, 2021 waren es noch mehr als 50 %. Als Gründe nennt Creditreform gestiegene Zinsen, höhere Finanzierungskosten und die anhaltende Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung.
Auch der Personalabbau setzte sich fort. Im Mittelstand wurden per Saldo seit drei Jahren keine zusätzlichen Stellen mehr geschaffen. Zuletzt meldeten 14,5 % der Unternehmen einen Beschäftigungszuwachs, während 18,6 % ihre Personalstärke reduzierten. Neben dem fehlenden Ersatz für ausscheidende Mitarbeiter hätten vor allem Umstrukturierungen und die schwache Auftragslage den Stellenabbau beschleunigt.
Die Eigenkapitalsituation bleibt ebenfalls angespannt. Jedes dritte Unternehmen weist eine Eigenkapitalquote von weniger als 10 % auf. Gleichzeitig verfügt nur noch ein Drittel der Befragten über eine Quote von mehr als 30 %. Im Vorjahr waren es noch 35,7 %. „Da die Erträge aufgrund der gestiegenen Kosten mager ausfallen, konnten die Unternehmen derzeit kaum Eigenkapital aufbauen. Die Eigenkapitalschwäche im Mittelstand ist auch ein Grund für die gestiegenen Insolvenzzahlen“, so Hantzsch.