Avena bietet ein ungewöhnlich breites Schuhsortiment, auch in Weiten bis K. Wie wichtig ist diese Passformkompetenz für Ihre Positionierung?
Sie ist sehr wichtig – aus zwei Gründen. Erstens hat unsere Zielgruppe einen besonderen Bedarf an Passform und Komfort und häufiger den Wunsch nach Modellen, die auf veränderte Füße reagieren. Sie werden mit der Zeit häufig breiter, und darauf muss ein Sortiment Antworten geben.
Zweitens sind wir Distanzhändler. Wir müssen Passform besonders gut beherrschen, weil sie direkten Einfluss auf Retouren hat. Wenn wir Schuhe anbieten, die nicht zu den Bedürfnissen unserer Kundinnen passen, steigen die Rücksendungen. Deshalb achten wir sehr genau darauf, welche Leisten, Weiten und Größen für unsere Zielgruppe wirklich relevant sind.
Wo ordnen Sie Avena im Wettbewerbsumfeld zwischen klassischem Schuhhandel, spezialisierten Komfortschuhanbietern und gesundheitsorientierten Versendern ein?
Wir kommen aus dem Distanzhandel. Das ist unsere Stärke. Wir sind kein klassischer stationärer Schuhhändler und wollen das derzeit auch nicht werden. Natürlich beobachten wir den Markt und sehen, dass viele stationäre Schuhgeschäfte unter Druck stehen. Für uns wäre es im Moment keine naheliegende strategische Entscheidung, stationär in größerem Stil einzusteigen. Filialen bedeuten hohe Komplexität, langfristige Bindungen, Ladenbau, Personal und Kosten. Wir können Distanzhandel sehr gut und darauf konzentrieren wir uns.
Warum ist das Segment Hallux- und Komfortschuhe für Avena strategisch besonders relevant?
Bei Avena ist das Segment Komfort- und Spezialschuhe besonders ausgeprägt. Gleichzeitig ist der Anspruch an das Aussehen gestiegen. Komfortschuhe dürfen heute nicht mehr aussehen wie Gesundheitsschuhe aus dem Sanitätshaus. Sie müssen wie normale, attraktive Schuhe wirken, aber die entsprechenden Komfortvorteile bieten. Viele Kundinnen möchten nicht offen darüber sprechen, dass sie einen Hallux valgus oder Fersensporn haben oder Weite K benötigen. Sie möchten einfach einen Schuh tragen, den sie gern zeigen. Genau diesem Anspruch müssen wir gerecht werden.
Welche Bedürfnisse und Probleme begegnen Ihnen bei Kundinnen und Kunden mit besonderen Passformanforderungen am häufigsten?
Hallux valgus ist das häufigste Thema. Direkt danach folgen Knick-, Spreiz- und Senkfüße. Wir haben auch eigene Schuheinlagen im Sortiment, also hochwertige Gesundheitseinlagen. Die sind nicht individuell angefertigt, aber qualitativ anspruchsvoll. Interessanterweise ist die Einlage für Knick-, Spreiz- und Senkfüße im Absatz sogar stärker als die Hallux-valgus-Einlage. Danach kommt das Thema Weite K, also große Komfortweiten. Auch das ist für uns sehr relevant.