„Der Saisonstart war geprägt durch das Wetter, das lange nicht optimal für uns war“, sagt Henrik Dismer, Schuhhaus Dismer in Dinslaken, acht Filialen. Gekauft werde insgesamt „sehr bedarfsgerecht“, von Anfang an sei eine große Zurückhaltung spürbar gewesen. „Das ist zwar schon seit drei Saisons so, aber es wird immer extremer“, konstatiert Dismer. „Wir sind praktisch das ganze Frühjahr hinter unseren Zahlen hergelaufen“, meldet Bernd Frölich, Schuhhaus Frölich in Bad Lauterberg, drei Filialen. „Der Juni war der erste Monat, der positive Zahlen brachte.“ Tatsächlich zog das Geschäft in den meisten Schuhhäusern erst an, als das Wetter sich im Juni darauf besann, dass wir ja schließlich Sommer haben – aber nur bis zur nächsten Regenphase. Alles in allem „war es herausfordernd“, „lief es schon mal besser“, „lief es in Anbetracht der Umstände ganz gut“, „war kein Schwung drin“, „war es mäßig“, „fehlt die Frequenz“, „lief es so lala“, „war die Nachfrage enttäuschend“, „war es frustrierend“. So das Resümee diverser Schuhhändler.
Der große Aufbruch, der Durchbruch Richtung Mode und Kauflust, die spürbare Wiederbelebung der großen Liebe zum schönen Schuh – all das ist ausgeblieben. Stattdessen hat der Schuhhandel fortgesetzt mit mangelnder Frequenz, der nach wie vor schlechten allgemeinen Stimmung, der ausgeprägten Preissensibilität der Kundinnen und natürlich den Kapriolen des Wetters zu kämpfen. Da stellt sich nach mehreren stark bedarfsorientierten Saisons die Frage, ob die relative Konsumaskese der Kundschaft wirklich nur ein temporäres Phänomen ist – oder ob die noch immer als Krise und somit als vorübergehender Zustand gelabelte Situation nicht vielmehr eine neue Realität und somit von Dauer ist. Klar ist, dass Frauen auch dann Schuhe brauchen – nur ist ihr Verständnis von Mode jetzt mit einem erhöhten Anspruch an Komfort und Alltagstauglichkeit verknüpft. Umso mehr kommt es darauf an, die Signale, die ihre Kaufentscheidungen senden, aufzunehmen, um im Hinblick auf die neue Orderrunde die für sein Haus richtigen Schlüsse daraus ziehen zu können.
Werfen wir also einen Blick auf das Geschehen in der auslaufenden Frühjahr/Sommer-Saison. „Es gab schöne neue Ware, attraktive Farben und auch Trends“, sagt Ingo Hänel, Schuh Beck in Römerstein, 14 Filialen. Das schöne Gesamtbild in den Läden teilt sich jedoch auf in zwei Welten: Auf der einen Seite sind da die High Performer, sprich die Produkte, mit denen der Schuhhandel aktuell verlässliche Umsätze macht; auf der anderen Seite stehen die High Potentials, sprich Schuhtypen, die perspektivisch womöglich großes Potential haben.