Zum Auftakt der Neocom 2013 referierte Tengelmann-Chef Karl-Ervian W. Haub und verdeutlichte die die Rolle von Kundenbeziehung im Handel. Dabei machte er klar, dass im wesentlichen technologische Erfindungen dafür verantwortlich seien, dass der Handel sich immer wieder neu erfindet. Nach traditionellen Marktplätzen, der Eröffnung von Ladengeschäften und der Einführung der Selbstbedienung führe das World Wide Web und damit einhergehend die Entwicklung von leistungsfähigen Endgeräten zum “Handel 4.0”. “Aus Sicht der Kunden ist diese Form des Handels sehr verlockend”, so Haub. Denn die Ware werde dem Kunden zu Hause zugestellt, der Einkauf könne zu jeder Zeit an jeden Ort vollzogen werden und sei damit nicht an Öffnungszeiten gebunden. Zudem sei beim Handel 4.0 die Sortimentsauswahl so groß wie in keinem Ladengeschäft. Am Beispiel Zalando machte Haub die Dimensionen deutlich. Wolle der Berliner Onlinehändler seine rund 150.000 Produkte in Regale packen, so Haub, müssten 60 Schuh- und Modeläden aneinandergereiht werden. Ein wesentlicher Vorteil für den Kunden sei zudem die große Preistransparenz im Internet: “Nie konnte der Kunde so leicht und so schnell die Produkte miteinander vergleichen.” Hier liege auch die Herausforderung für den Handel, der auf den Preis flexibel reagieren müsse.
Mit Blick auf sein Investment bei Zalando gibt sich Haub gelassen: Auch wenn das Unternehmen noch immer kein Geld verdient, sei er von dessen Strategie überzeugt. “Das ist keine Luftnummer”, versicherte er. “Wir glauben daran. Das Unternehmen ist viereinhalb Jahre alt und geht jetzt auf 2. Mrd. Euro Umsatz. Da sind Leute unterwegs, die den Markt verändern wollen.”
Nach Einschätzung des Branchenexperten werden in den kommenden Jahren noch viele “Exits” im Handel zu beobachten sein. Vor allem dann, wenn Unternehmen den Schritt in Richtung Handel 4.0 nicht gehen können oder wollen. Doch “das Internet und E-Commerce sind erfunden und werden nicht mehr verschwinden”, betont Haub.
Im Gespräch mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart diskutierte der Handelsexperte über die Konsequenzen einer sich verändernden Handelswelt. Hierzu zählte auch das Thema “Mindestlohn”. Für den Tengelmann-Chef steht fest: Ein pauschaler Mindestlohn wäre fatal; dieser sollte “tariflich ausgehandelt werden”, so Haub.