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Silicon Valley‘. In seinem Bestseller erklärt Springer-Mitarbeiter Christoph Keese laut Untertitel ’was aus dem mächtigsten Tal der Welt auf uns zukommt‘. Neben viel Staunen über das digitale Leben in der San Francisco Bay Area hat der Autor einen ultimativen Tipp für Unternehmen parat: Werdet zur Plattform! Den virtuellen Netzwerken gehört die Zukunft! Offenbar haben auch die Verantwortlichen bei Zalando Keeses Buch gelesen – oder sind auf einem ihre Trips in das Silicon Valley zur gleichen Schlussfolgerung gekommen. So oder so: Zalando wird zur Plattform. „Wir wollen Mode und Menschen verbinden“, lautet die blumige Erklärung aus Berlin. Zalando soll zukünftig nicht mehr wie bislang als reiner Verkaufskanal funktionieren, sondern zugleich Marken und stationären Händlern neue Möglichkeit der Digitalisierung bieten. Für das Unternehmen liegen die Kostenvorteile auf der Hand: Schuhe und Mode würden damit zwar über die Plattform verkauft – mit dem Versand und der Retourenbearbeitung hätte das Unternehmen jedoch künftig nichts mehr zu tun. Außerdem könnten die Berliner so schneller werden. Über viele Partner im Handel soll die Lieferung noch am Tag der Bestellung flächendeckend möglich werden. Investitionen in teure, immer neue Logistikzentren könnten somit eingespart werden. Im Gegenzug erhalten die angeschlossenen Händler und Hersteller mehr Reichweite, mehr Umsatzchancen sowie die Möglichkeit, von Zalandos Big Data-Sammlung zu profitieren.
Gänzlich neu erscheint dieses Konzept nicht. Anleihen bei Amazon liegen auf der Hand, auch wenn Zalando-Gründer Robert Gentz betont, man habe sich insbesondere von E-Commerce Entwicklungen in China inspirieren lassen… In der Amazon-Zentrale genießt das Segment Mode seit Längerem höchste Priorität. Neben Investments in teure Testimonials und Foto-Studios in London spielt bei den Amerikanern ebenfalls das Thema Logistik eine wichtige Rolle. Beide Unternehmen – Zalando und Amazon – haben hier jedoch unterschiedliche Strategien gewählt. Während Amazon am Aufbau einer eigenen Logistik arbeitet, setzt Zalando auf die Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern. Ob künftig Fahrer der Taxi- Alternative Uber oder der Pizza-Bringdienst quasi nebenbei Pakete ausliefert – laut Zalando alles möglich.
Grundsätzlich sollte der stationäre Handel genauestens abwägen, mit wem er zusammenarbeitet. Der Frequenzverlust in den Innenstädten ist Fakt. Die Einkaufsgewohnheiten der Deutschen haben sich in den vergangenen Jahren rasant verändert. Eigene Onlineshops sind meist kostspielig, das Umsatzpotenzial begrenzt. Sollte man dennoch mit Zalando gemeinsame Sache machen? Oder mit Amazon? Die Antwort auf diese Fragen muss jeder für sich beantworten – und letztlich verantworten.